2J8 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kap. § 35. 36
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Pächter der Münze, das dritte dem Herzoge. Die Gesellschaftstützte sich auf das Geleit und forderte das Silber heraus. Ver-gebens.
Nun bot die Gesellschaft andere Mittel auf: einmal wurde der inItalien und Mailand erprobte alte Geselle Nikolaus im Steinhausedorthin gesendet, der Bischof von Chur stellte ihm Empfehlungenaus, die Städte ^Ravensburg und Konstanz gaben ihm Schreibenmit; das Konstanzer bittet, wenn ein Irrtum vorgekommen sei,um Gnade; die Ravensburger wiesen auf die Geschäftsverbin=düngen hin, die die Gesellschaft über hundert Jahre mit Mailandverbänden. Sie reichte eine große Denkschrift ein und drohte,sie werde die Sache vor den Kaiser bringen, was Lodovico scharfzurückwies.
Das Fürwort des Bundes der Bodenseestädte verschlug ebenso-wenig, aber die Hilfe der Eidgenossenschaft hatte Erfolg. Es gabvier Teilhaber in der Eidgenossenschaft, die aufgeboten wurden, derpolitisch sehr einflußreiche Jakob von Hertenstein in Luzern, derEitter Ulrich Muntprat in Zürich, Dominikus Erauenfeld inJZürichund der alte Moritz Hürus in Stein am Rhein. Die Eidgenossenschickten durch sie bestimmt einen Boten an den Herzog mit derBitte um die Rückgabe des Geldes, das bewog den Herzog sogarseinen Kanzler Francesco Litta nach Luzern zu entsenden, der am24. März 1498 mit den vieren einen Vertrag abschloß, der alleWünsche der Gesellschaft befriedigte. Der Silberwert sollte biszum 1. März 1499 in Mailand entrichtet werden, geschähe das nicht,in Luzern unter Schadenersatz. Es ist deutlich, welcher Vorteiles für die Gesellschaft war, sich in solcher Not die Hilfe der Eid-genossenschaft erwirken zu können. 1
Nun sollte man glauben, die Gesellschaft habe nach solchen Er-lebnissen den Silberschmuggel eingestellt, doch kann ich nicht wenigerals drei Fälle nachweisen, wo Silber in Zinn oder in Leinwand nachMailand oder durch Mailand geschmuggelt wurde. 2 Leinwand galtals minder verdächtig. Es waren das zusammen fünf Stück Silber.Der Schmuggel wurde offenbar dadurch erleichtert, daß die Mai-länder Zöllner nicht jedesmal bezahlt wurden, sondern Kredit ge-währten.
Baumgartner schreibt über die Durchfuhr von Silber: „Es ist Ge-wohnheit, als viel einer Silber in die Münze legt, so viel mag erdurch senden per transito in andere Herrschaft und nicht mehr, dochmag der Herzog das auch verändern. Wer es durchsenden will,so läßt er es gewöhnlich auf einem anderen fahren, in Ballen binden,so geben ihm die Münzmeister ein bolletta, das führt der Mulatiermit ihm, zeigt es an allen Enden in Mailänder Herrschaft und läßtman es ohne Zoll für gehen. Sonst wäre es Contrabanda."
1 Vgl. Heyd, S. 19—22 und 75—80. Schulte 1, 562f. und 2, 79f. 2 1505:3, 287 ff. 292. 296. 1507: 3, 309. 1510: 3, 34.