246 Sechstes Buch. Handel nach Landschaften. I. Italien. 2. Kapitel. § 35
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Panigarola, Pusteria, Simonetta, Tiraboschi, Trivulzio und denVisconti verbindet sich dem Freunde mailändischer Geschichtediese oder jene historische Persönlichkeit. Das Handelshaus derBorromeo rindet sich nicht, wohl aber die Gesellschaften des BattistaTrivulzio, des Francesco Brivio. Unter der großen Zahl Schuldnerfinden sich aber auch viele Deutsche, und zwar mit erheblichenSummen. Es erscheinen: Stüdlin in Lyon mit 7425 #, MartinScheler von Ulm 6791 U, Jakob Gienger von Ulm 5836^, MatthäusGienger von Ulm 4584 26, Engelhard Herman 3277 U; diesezusammen 27 913 U. Die Gesellschaft schuldete in Mailand nur3108 &.
Eechnet man alle diese Werte, die der Gesellschaft vor der Auf-lösung in Mailand zustanden, so kommt man mindestens auf130 000 U Mailänder, nach Abrechnung dieser Schulden bliebendann noch rund 127 000 fi Mailänder. Das wäre nach dem damaligenKurse von 72 ß Mailänder auf den rheinischen Gulden eine Wert-summe des Mailänder Lagers von 35 277 fi rh. Die Gesellen mochtenwohl voll Sorgen der drohenden Katastrophe entgegenschauen.Aber dieses Mal verzog sie sich. Die Politik Maximilians machtedie eigentümliche Wendung, sie ging gegen Venedig und lehntesich für einige Jahre an Frankreich, dessen König die Belehnungmit dem Herzogtume erhielt. Die Gesellen waren wohl bald wiedernach Mailand heimgekehrt, August 1510 liefen die Geschäfte jeden-falls wieder ihren gewohnten Gang. 1
Im Oktober 1511 erschienen die Schweizer vor Mailand, docherst im Juni 1512 wichen die Franzosen aus Italien. Die ihrerMacht frohen Schweizer erhoben den Sohn Lodovicos Massimiliano,doch das Gebäude der eidgenössischen Großmachtpolitik brach inder Schlacht von Marignano zusammen, am 4. Oktober 1515 kapi-tulierte das Kastell von Mailand, und damit begann die Herrschaftdes Königs Franz I. von Frankreich, dessen Beamte nach Ausbruchdes Krieges mit Karl V. 1521 aus Mailand weichen mußten, woFrancesco IL Sforza die Herrschaft übernahm. Von 1521 an tobteder Kampf wieder in den Fluren der Lombardei.
Aus der Zeit, in der der Friede Europas verbürgt schien, habenwir ein sehr merkwürdiges Aktenstück der Gesellschaft. Dem Alt-schultheiß von Luzern Jakob von Hertenstein hat die Gesellschaftalle ihre im Herzogtum Mailand und in der Nachbarschaft aus-stehenden Schulden überlassen, und zu deren Beitreibung bestellter am 25. Juni 1518 den Luzerner Gerold als seinen Bevollmäch-tigten. 2 Heyd, der dieses in einem Luzerner Formelbuch erhalteneStück zuerst benutzt hat, nahm an, der reiche Luzerner Patrizierhabe der Gesellschaft große Summen vorgestreckt und die im Bück-gang begriffene Gesellschaft habe ihn nicht mehr durch andereMittel zu befriedigen gewußt als durch eine solche Zession. 3 Wäre
1 Unten 3, 35 f., 41 ff. 2 Heyd, S. 82 f. 3 Ebenda, s722.