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1 (1923)
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224
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224 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kultur. § 31

sterne galt die Verehrung namentlich der Seefahrer und derer, dieam Seehandel beteiligt waren. Diese Gesinnung verbreitete sich inder Bruderschaft des Ordens, die der Bischof von Konstanz fürEavensburg bestätigte und mit Ablässen begabte. Auch spezielleKaufmannsbrüderschaften unter Leitung des Ordens gab es, so inFrankfurt die St. Annabruderschaft. Die Skapulierbruderschaftder Karmeliter hat auch später noch manchen Kaufmann als Ge-nossen gehabt, in Eavensburg hat sicher mancher gelobt, dasBruderschaftszeichen, das Skapulier, auf der Brust zunächst demLeibe zu tragen, 1 und bei Oswald Kroll hat Albrecht Dürer es nichtvergessen. Die berühmte, wohl sicher unechte Sabbatina (von angeb-lich 1322) war später von Päpsten bestätigt worden, und sie verhieß,daß der, der das Skapulier trage und auf Erden ein frommes Lebenführe, am Samstag nach dem Tode aus dem Fegefeuer befreit werde.

Auch in den Papieren begegnen uns mitunter die Karmehter,namentlich der alte Prior Johannes Krus (als Prior 1461—1470 nachzu-weisen). Doch die Karmeliter in Eavensburg kamen 1487 nach einerVisitation durch ihren Provinzial unter Kuratel von zwei aus demBäte genommenen Pflegern, die jährlich die Bechnung prüften. 2

Die Errichtung ewiger Messen seitens Handelsgesellschaftenkann nicht wundernehmen. Die von der Gesellschaft sich ab-zweigende Ankenreute-Gesellschaft hat ebenfalls zwei ewige Jahrtagegestiftet mit je einem Seelenamte und neun gesprochenen Messennebst Austeilung von Almosen, und sie hatte sich mit der Priester-bruderschaft der Liebfrauenkirche darüber geeinigt. 3

Im Gegenteil: das Beispiel der Bavensburger Gesellschaft fandauch anderswo mehrfach Nachahmung. In Biberach erbaute dieGesellschaft der Brandenburg und Weißhaupt eine Kapelle an derPfarrkirche und einen Altar, die zunächst der Gesellschaft Kapellewar, aber als Brandenburgkapelle bis heute bestehen blieb. 4

Die größten Stiftungen machte wohl die Gesellschaft der Vöhlinin Memmingen, in der St. Martinpfarrkirche errichteten sie einenoch heute stehende Kapelle und begründeten 1479 eine ewigeMesse und ein Predigtamt an den Altar der Kapelle, 1484 einezweite Messe. 1511 wurde die Stiftung noch erweitert. 5 In UnsererFrauen Kirche ließ Hans Vöhlin und seine Gesellschaft 1487 eineOrgel machen, wo nie zuvor eine war, 6 sie begründeten dort einewig Gestift: dem Pfarrer wurde ein zweiter Helfer beigegeben undein Mittelamt bei der täglichen Gottesdienstfolge eingeführt. 7

1 In dem sehr mageren Verzeichnis einer Frauengenossenschaft im Necro-logium finde ich drei Damen aus dem Kreise der Gesellschaft. 2 Vgl. Urkunden,im Staatsarchiv Stuttgart. 3 Nach Mitteilungen Karl Otto Müllers. Der Vertragsoll 1510 geschlossen sein. Die Archivalien selbst, die verschleppt sind, lagenMüller nicht vor. * Vgl. Pfeiffer, in Württemb. Vierteljahrshefte, N. F.. 19,289f. 6 Memmingen,Stadtarchiv. Stiftungsarchiv. Originalurkunden. 6 Schorer,Chronik, S. 45. Memmingen, Stadtbibliothek. ' Memmingen, Stadtarchiv. Stif-tungsarchiv.