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1 (1923)
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Kaufleute und Adel

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mein Herkommen ist daher und von aller Ehrbarkeit und AdelsEhren."

Der Federkrieg hatte ein Nachspiel. Die Töchter so reicher Kauf-leute verlockten manchen Adligen zur Ehe, auch einer aus dem ver-armten Zweige der Grafen von Württemberg, der sich Herren vonLandau nannte, hatte sich mit einer Bessererin vermählt. Der Sohndieser Ehe wurde 1484 bei dem Turniere zu Ingolstadt abgewiesen,er stehe dem Adel nicht mehr gleich. 1

So suchte sich der Bürger gegen den Landadligen zu wehren,aber fühlt man nicht durch, daß er am liebsten dem streitlustigenBitter gleich zu kommen trachtet und ihm dafür jeder gute Titellieb wäre? Wir begreifen es, daß die Veradligung die Bürger aus derStadt treibt. Auch Hans Besserer blieb nicht in Bavensburg. So-lange der Kaufmann bei der Gesellschaft eine Einlage hat, muß erin irgendeiner Reichsstadt Bürger bleiben. Doch nicht mehr ver-steuert er dort all sein Hab und Gut, er versteuert nur noch eine festeSumme und verliert so langsam die Verbindung mit der Stadt, inder der Ahnherr das Geld verdiente, das ihm den Adel mögnch ge-macht hat. Da der Aufenthalt in der Stadt nichts mehr einbringtund da sich Gelegenheit bietet, das altererbte Eamüienhaus ohneschwere Verluste zu veräußern, lösen sich die Bande, die nochimmer den Junker an die Stadt fesselten. Aus dem städtischenRitter war nun ein Glied des rein agrarischen Adels geworden.

In der Geschichte unserer Adelsgeschlechter macht der wirklicheKenner der Geschichte nur zu oft eine Beobachtung. Nicht derbürgerliche Mann, der durch Arbeit und Sorgfalt, durch Geschickund Glück aller seiner Nachfahren Emporsteigen allein möglichgemacht, erstrahlt als der Held des Geschlechtes, sondern ein späterer,ja mitunter wird der eigentliche Urheber des Glückes mißachtet.Mir haftet unvergeßlich im Sinne das Wort eines modernen Junkers,der, als ich ihm gezeigt zu haben glaubte, daß seines Hauses Fortunain sehr früher Zeit von einem deutschen Geldaristokraten begründetwurde, ausrief: „Nein, dann will ich lieber von einem Raubritterabstammen!" Ähnlich dachten wohl die Rappenstein!

Der Patriziat der oberschwäbischen Städte stak um 1470 nochsehr stark im Großhandel, auch noch 1510 lieferte er manchenNachwuchs, doch war die Sättigung schon so groß, daß die meistenFamilien die Städte verließen und in dem Handel neuen zünftischenGeschlechtern die Plätze überließen. Unsere Ravensburger Ge-sellschaft war ein sehr starker Anker gewesen.

Den wirksamsten Einfluß auf den Geist der Geschlechter mußtees ausüben, wenn die Söhne landadlige Töchter heirateten oder dieTöchter von landadligen Herren heimgeführt wurden.

1 Baumann 2, 507. Nach Rieber stammt aus der Ehe Landau-Besserer (überRiedheim, Hohenems, Zinzendorf, Castell, Reuß) Kaiser Wilhelm II. ab. DerBesserer hat schließüch doch den Reischach übertroffen.

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