Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

fl ra m i»p

rfflffllffllfflllll

9HHB

Isfllll

. g.. ' . :"-

: : . $H

:..:.'-'

1111

i . i n

p mm I

n

F

134 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 3. Kapitel. § 20

Wohl, wenn Ihr einen Teil des Geldes per Flandern gemacht hättet,wäre es uns sehr lieb, so legte man es jetzt im Pfingstmarkt an.Oder wenn Ihr hinfür so groß an Geld sein würdet, ob Ihr dann zugleichem zu Wechseln kommen könntet per Venedig, das diente unsdann, wohin wir wollten. Ihr versteht wohl, daß es uns ängstet aufdie Herbstmesse. Da würden wir zweifacher Zahlung schuldig, soder Ort so teuer ist und vielleicht die Straße geschlossen würde, somüssen wir besser denken, wie das Geld herauskomme. Ihr habtdrinnen groß Gut, so kommt Euch auch mit Gottes Hilfe nochgroß Gut; Ihr solltet eine Last Geld sammeln . . . Sorget, daß dasGeld nicht schläft. . . Doch ist es nötig, daß Ihr wohl sehet, woIhr Geld an Wechsel gäbt, daß Ihr es richtigen Leuten gebt." 1Und noch einmal kommen die Herren auf Wechsel:Wenn Ihrdas Geld nicht mit Ort herausbringen könnt, so denkt an anderenSinn und andere Wege; es sei Seide, Korallen oder Wechsel, damitIhr das Geld herausbrächtet, es sei per Brügge oder Venedig." 21479 stand es umgekehrt. Spanien bedurfte des Geldes.WolltIhr ebensoviel Stank haben als heuer, so müßt Ihr Geld hinein-ordnen in Wechseln." 3 Solche zu finden war aber nicht immerleicht. 4

Nun sollte man glauben, die Gesellschaft habe mit Freuden wieandere Kaufleute durch Ankauf von Wechseln das Geld an die Orteverwiesen, wo sie sich seiner zu bedienen gedachte. In jener Zeitgehörte zum Begriffe des Wechsels die Ortsdistanz, die zwischen demOrte der Ausstellung und dem der Bezahlung liegt. Der Wechselwar ein Kreditmittel, das sich für jene Zeiten aufdrängte, wenn derKaufmann A am Orte M für ihn überflüssige Barmittel hatte, sieaber in naher Frist an einem anderen Orte ET zu verwenden wünschte.Fand er einen anderen Kaufmann B, der zu der angegebenen Zeitam Orte B" diese Summe bereitzuhaben glaubte und im Augen-blicke am Orte M die Barmittel von A verwenden konnte, so stellteB dem A eine Wechselurkunde aus auf Zahlung der Summe zu demgemeinsam abgemachten Termine am Orte 3S\ In diesem Falle istder Wechsel in seinem wirtschaftlichen Sinne mehr als ein Zahlungs-mittel anzusehen denn als Kreditmittel; die Überwindung der Orts-distanz, wie die eines am Orte M bestehenden Ausfuhrverbotestrieben den Kaufmann A jemand zu suchen, der von dem umge-kehrten Interesse geleitet wurde.

Da die Landsleute meist einen gleichartigen Handel trieben, sowar im Kreise dieser näher Bekannten wohl meist keiner zu finden,der zu einem Wechselgeschäft bereit gewesen wäre. Wenn z. B. inSaragossa die deutschen Kaufleute alle wie es in der Hauptsacheder Fall war dieselbe einseitige Handelsart betrieben, so konntensie sich einander nicht helfen. Gerade die konträren Händler warenam ersten in der Lage, Wechsel zu übernehmen. Jedenfalls führte

1 3, 88 f. 2 3, 96. 3 3, 112. 4 3, 165.