Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
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Einleitung

Ein Best blieb in Salem zurück, darunter auch dieseunnütz-lichen Handelssachen", wie eine alte Aufschrift lautete.

Doch der Schlaf in der Schublade dauerte noch einige Zeit. DieLade stand offen und ein nahe befindliches Fenster auch, so daß einVogelpaar darin nistete. Allerdings ein Freund der Ordnung schob dieLade einmal zu und legte den ausgebrüteten Jungen die Todesstrafeauf. Bei einer letzten Bevision fand im Jahre 1911 der Direktor desKarlsruher Generallandesarchives, Herr Geheimer Bat ArchivdirektorDr. KarlObser, die Akten und verbrachte sie, ihren hohen Wert wohlerkennend, nach Karlsruhe; er bot im Einverständnisse mit demPrinzen Max von Baden mir, dem alten Kollegen, der einst in Karls-ruhe sein Werk: Geschichte des mittelalterlichen Handels undVerkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluß vonVenedig (2 Bände, 1900), begonnen hatte, Veröffentlichung und Be-arbeitung des Stoffes an.

Fast zwölf Jahre sind es nun, daß ich an diesem Werk arbeite,wenn mich auch Amt und andere Studien öfters und länger ab-gezogen haben. Als alter Arbeiter auf diesem Felde ersah ich sofortdie Ertragfähigkeit dieses neuen Ackers, zu dem ich immer mitFreude und Liebe zurückgekehrt bin, so sauer die Arbeit auch war.

Schon im Jahre 1890 hat der Altmeister der HandelsgeschichteWilhelm Heyd den Landsleuten der oberschwäbischen Gesell-schaft ein viel Neues bringendes Denkmal in dem Büchlein:Diegroße Bavensburger Gesellschaft" (Stuttgart, Cotta), gesetzt undin meinem oben genannten Buche konnte ich mancherlei in HeydsSchrift ergänzen und die Kenntnis erweitern. Seit jener Zeit standes fest, daß diese Gesellschaft wohl sicher die größte und originellstedeutsche Handelsgesellschaft während des Mittelalters gewesen seL

Die neugefundenen Papiere gehen nun nicht in die Anfänge derGesellschaft zurück, beginnen vielmehr mit einem versprengtenStücke von 1427, werden dichter von 1472 bis 1480 und setzen dannmit 1497 wieder ein, um nicht ohne Lücken bis 1527 zu führen.Sicherlich möchte man sich gerade für die ältesten Zeiten mehrNachrichten wünschen, aber man soll sich im Glücke über dasGlück nicht beschweren. Der Dichtigkeit des Materials für die Zeitvon 1472 bis 1480 verdanken wir ein leidlich klares Bild von Per-sonen und Arbeit der ganzen Gesellschaft. Für die Zeit nach 1497liegen sehr erhebliche Beste der Papiere der Zentralleitung vorneben meist für sich stehenden Einzelquellen. In Deutschland undSpanien habe ich auf den Archiven meist mit Erfolg weiteresMaterial aufgesucht, fast noch mehr ist mir aber von verschiedenenSeiten zur Verfügung gestellt worden.

Dem Leser wird es nicht immer angenehm sein, in örtliche Dingeherabsteigen zu müssen und dem Verfasser wäre es noch lieber ge-wesen, wenn er dieses hätte vermeiden können. Aber die Aufgabezwang ihn dazu sowohl in Bavensburg, in Konstanz und den

ja