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war aufs stärkste beeinflufst durch die Gesinnung und das Ge-haben der jeweiligen Bischöfe. Übertreibt auch des Willigis un-genannter Lobredner, wenn er denselben als ein Muster wahrhaftgeistlichen Wandels hinstellt 1 , so sind doch manche der Züge,die er berichtet, so typisch für Denkart und Handlungsweise derhervorragenden Bischöfe der Zeit, dafs seine Schilderung im all-gemeinen wohl Glaubwürdigkeit beanspruchen darf. Bedenktman, dafs der ottonische Hof der kirchlichste war, den Deutsch-lund je gesehen hat, so ist wohl zu begreifen, dafs Willigis mittenim Drang der weltlichen Geschäfte den geistlichen Ernst sich be-wahrte. Demgemäfs trug auch, wenigstens in seinen letztenJahren als der Reichsdienst ihn anscheinend nicht mehr so starkin Anspruch nahm, das Leben an seinem Hofe ein durchausgeistliches Gepräge. Obwohl er immer, selbst wenn er zu reinkirchlichen Versammlungen auszog, wie es die Sitte heischte 2 ,von zahlreichen Reisigen umgeben war, waren doch Geistliche,wie die späteren Bischöfe Burchard von Worms und Megingaudvon Trier seine ersten Vertrauten und Beamten 3 , und verlief strengnach der mönchischen Ordnung der vita communis sein Tage-werk. Von der Matutin bis zum Kompletorium wohnte er all'den geistlichen Übungen der Stiftsherren bei 4 ; ja, er fehlte, wie esscheint, selbst nicht bei den nächtlichen Hören. Wie an den übrigenBischofshöfeu gehörte sodann auch an dem seinigen ein bestimmtgeregeltes Almosenspenden zum herkömmlichen geistlichen Zere-moniell. Täglich speiste sein custos in seinem Auftrage regel-mäfsig nach demselben Menü dreifsig Arme. Waren sie gesättigt,so bediente er selbst noch dreizehn Bedürftige mit ausgesuchtenSpeisen und Getränken und händigte jedem persönlich einenDenar aus. Erst dann ging er selbst zu Tische, „wo er allen,die hinzukamen, als ein fröhlicher Geber reichlich und freigebigspendete, was sie bedurften 5 ." Wie alle Frommen des Zeitalterswar er ferner „dem Studium der heiligen Schriften" aufrichtigergeben Er griff darnach, sobald die Staatsgeschäfte und die
1 Vor allem Libellus cap. 1, S. 743/744.
2 V. Adalb. cap. 25, S. S. IV, 667.
3 Oben Abschnitt 1. Burchard war Kämmerer und Probst vonSt. Viktor, Megingaud Kämmerer und Probst, vielleicht der Kathedral-kirche.
4 Libellus cap. 2, S. 744, über den Test cf. Beilage 2.
6 Libellus cap. 2. Cotidie triginta pauperes custos capellae suaeeibo potuque certo solebat reficere-, his ret'ectis, tredeeim pauperes cumoptimis eibis et potibus ipse refecit singulisque denavios propria manudistribuit: mox ad mensam venit — omnibus advenientibus quod corpusexigebat copiose et liberaiiter dabat. — Ähnliches wird berichtet vonUdalrich von Augsburg V. cap. 3 S. S. IV, S. 390, Bernward von Hildes-heim V. cap. 5, S. 760 — er speiste täglich wohl 100 und noch mehr! —auch hatte er einen Geistlichen eigens als dispensator angestellt, qui ele-mosinae et pauperibus praeerat. Dieselbe Rolle spielte in Mainz an-scheinend der custos capellae.
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