WM
:•■:'• !
20
I 3.
nämlich — kaum ohne Zuthun und Verdienst des Erzbischofs —die beiden neu errichteten Bistümer Prag; und Olmütz der MainzerKirchenprovinz einverleibt 1 und auf dem Wege von der PfalzErstem nach dem Königshofe Bruchsal in Brumath im Elsatsder Mönch Thietmar von Korvey von Willigis zum Bischof derTschechen geweiht 3 . Es war das ein neuer Schlag gegen dieMacht des bayrischen Herzogtumes, das bisher in Prag den mai's-gebenden Einnufs besessen hatte. Die Hoffnung, dafs die böhmischeKirche dereinst der bayrischen unterstellt werden würde, warjetzt vereitelt. Die Frucht der langjährigen Bemühungen desbayrischen Klerus um das Christentum der Tschechen erntete soder der Slavenmission ganz fernstehende fränkische Erzbischotvermutlich nicht nur, weil er des Kaisers besonderes Vertrauengenol's, oder auf dem Tschechenfeldzuge sich ausgezeichnet hatte,sondern auch, weil er geschickt die Gunst der politischen Lagezum Vorteil seines Erzstifts auszunützen verstand.
Die ersten Monate des Jahres 976 hielt sich Otto vermutlichin den rheinfränkischen Pfalzen auf 3 . Von Willigis wissen wir,dafs er in der Osterwoche im Beisein der beiden neu ernanntenSlavenbischöfe in Mainz 4 eine Synode abhielt und im Mai sichnach Verden an der Aller begab 5 , um dort den neu ernanntenBischof Erpo zu konsekrieren. Indes die friedliche oberhirtlicheThätigkeit, der er, wie es scheint, in jener Zeit zum erstenmalobliegen konnte, wurde bald durch neuen Kriegslärm unter-brochen. Gefolgt von dem Mainzer Heereskontingent, zog erim Juni mit dem Kaiser nach Süddeutschland, um den Aufruhrdämpfen zu helfen, den Herzog Heinrich nach seiner Flucht ausIngelheim in Bayern erregt hatte. Das Bollwerk der Aufstän-dischen, Eegensburg, fiel bekanntlich sehr bald in die Hand desKaisers, der nunmehr dazu schritt, die Grundlage der Machtdes bayrischen Hauses und Stammes zu zerstören. Die kom-pakte Masse des alten regnum Bavariae ward durch die Ab-trennung Kärnthens, der Ostmark und des Nordgaus in eineReihe kleinerer Fürstentümer zerstückelt, die jüngere Linie des
1 Über die Errichtung der Bistümer Prag und Oimütz cf. HatickIII. S. 199.
2 Catalogus episcoporum Argentinensium. S S. XIII. 323. Er voll-zog die Weihe zugleich mit Bischof Erkenbald von Strafsburg.
3 D. 0. II, 128 u. 129. Die Urkunde, auf Grund deren Giesebrecht,Jahrbücher Ottos II. S. 119, den Kaiser Ostern 976 in Allstedt feiernläfst, gehört ins Jahr 978. Ughelli, Italia sacra IV, 592, hat sich ver-lesen; cf. D.O. II, 176.
* Guden I, 352 ff. Das Protokoll ist datiert vom IUI. Kai. Mai,d. i. sie fand, da Ostern auf den 23. April fiel, cf. Grotefend I. 352, inder Osterwoche statt.
8 976 im Mai, nach S S XIII. 323 catalogus Episc. Argent. Dafsder Text des Katalogs: Cum Willigiso archiepiscopo Mog. Ertfutensemepiscopum apud Vivdunam consecravit Erkenbaldus episc. Argent. verderbtund zu korrigieren ist in: Erponem episc. apud Verdam, zeigt Will. li.XVII, 15, S. 120.