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zimmer hat darum Fenster auf zwei Seiten, zum Hofe hin undzur Dorfstrafze; denn die französische Fenstersteuer ist auf-gehoben.
DasDorflebenist heute mehr denn je eine allgemeineOeffentlichkeit. Jeder weifz von allen andern alles genau: Wie-viele Tiere der Einzelne im Stalle hat, wieviele Garben er drischt,welche Neigungen und Kenntnisse er hat, wieviele Köpfe täg-lich mit ihm zu Tische gehen, und was sie jedesmal zu essenhaben etc. Man weifz auch, wieviele Wagen täglich über dieStrafzen fahren, und welche Leute darauf hin und her gehen.
Man beobachtet ferner auch die Fremden, die daraufverkehren. Im Winter sind es deren nur wenige, im Sommerviele. Die meisten sind Touristen, die unsere Berge und Burgenbesuchen, und Händler, die Waren bringen oder holen wollen.— Aufzer diesen kommen öfter auch Gruppen von Schnurran-ten in die Dörfer, die mit ihrer Blechmusik die Strafzen beleben,Freude in die Herzen und Häuser hineinblasen und dafür eineGabe heischen. — Ein andermal sind es Bänkelsänger, dieVolkslieder singen und mit ihrer Drehorgel sie begleiten. —Wieder andere bringen „ein Porträt", das sie vorzeigen und er-klären, d. h. eine grofze Bilderkarte an einer hohen Stange, buntbemalt mit einer grausigen „Moritat", mit einem tragischenUnglücksfalle oder mit einer herzbrechenden Liebesgeschichteund ihren tödlichen Folgen, deren Text sie singen und aufZettel gedruckt von Haus zu Haus verkaufen. — Bald sind esauch Komödianten, die in bunten Kleidern durch die Strafzenschreiten und unter Trompetenstöfzen zu ihrem Theaterstückevon Dr. Faust, von der schönen Genovefa und dem schlimmenGolo etc. mit hochtönenden, vielversprechenden Worten ein-laden. — Bald sind es Zauberer und Seiltänzer, Kraftmenschenund Feuerfresser, die für wenig Geld ihre unvergleichlichenKunststücke sehen und hören lassen. — Bald sind es Zigeunerund Schirmflicker, Scherenschleifer und Kesselflicker, die aufder Strafze wohnen und durch die Häuser ziehen. — Solider undwillkommener sind die fahrenden „Tuchhändler" mit Weifzzeugund Kleiderstoffen, Halstüchern und Bändern. Ihnen gleichstehen die Samenhändler mit „Kukumerekerne, Rettigkerne undEdiviensamen", oder mit „Zwiewele, Knobloch, Maraun", d. h.mit Zwiebeln, Knoblauch und Majoran etc.; dann die Geschirr-händler mit „stänerne Krug' oder Häb", d. h. mit steinernenKrügen und Häfen, oft auch mit irdenen Tellern und mit dicken,