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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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im Boden versenkt liegen. Ihr Schall wird bisweilen, besonders imAdvent und in der Geisterstunde um Mitternacht, deutlich hörbar.Die Hörer deuten ihn dann je nach den Verhältnissen günstig oderauch als Unheil verkündend für sich und für ihre Gemeinde.

Maria Himmelfahrt, am 15. August, ist das höchsteMuttergottesfest des ganzen Jahres, ein festum duplex ersterKlasse mit Oktav. Als die französische Regierung unter Napo-leon I. die anderen Heiligenfeste bei uns alle abschaffte und ab-würdigte, d. h. sie von ihrem Wochentage weg auf die nächstenSonntage verlegte, da blieb Maria Himmelfahrt allein erhalten,weil der 15. August zugleich Napoleons I. Geburtstag war. Seit1853 ist die Assumpta, d. h. die Himmelskönigin Maria, auch diePatronin des Domes und des ganzen Bistumes Speyer geworden.Vorher war über elfhundert Jahre lang die GottesgebärerinMaria die Schutzpatronin des Speyerer Domes und des Bistumesgewesen. Zu ihrem alten Gnadenbilde im Dome zu Speyerfanden seit 1147 jährlich vier Volkswallfahrten statt: An MariaGeburt und Verkündigung, an Maria Lichtmelz und Himmel-fahrt, bis die französische Revolution 1794 das alte Marienbildzerstört und verbrannt hat.

Für unsere Volkskunde ist Maria Himmelfahrt von ganzbesonderer Wichtigkeit wegen der damit verbundenen Kräuter-weihe oder Würzweihe. Die Kirche bringt diese Kräuterin sinnige Beziehung auf Mariadie Blume des Feldes und dieLilie der Täler, die geistliche Rose" etc. Im ländlichen Würz-wische aber sind keine biblischen, sondern germanische Blumen,uralte Heilkräuter und andere einst heilige und volks-tümlich gebrauchte Pflanzen der frühchristlichen und vorchrist-lichen Zeit. Die Kirche weiht sie und betet dabei:UmWohlfahrt des Leibes und der Seele, um Schutz vor dämo-nischen und anderen widrigen Einflüssen für jene, die in from-mer Gesinnung davon Gebrauch machen".

So erklärt sich teilweise der Gebrauch des Würzwisches,nicht aber die volkstümliche Auswahl und Verwendung seinerKräuter. Diese sind uraltes deutsches Volkstum und Ahnenerbe.

In jedem ordentlichen Würzwische, der für Menschenund Tiere nach der Weihe recht brauchbar sein soll, müssenje 3 Stück und Stengel folgender Pflanzen enthalten sein:

1. Johanniskraut oder Muttergottes-Bettstroh (hypericumperforatum). 2. Abnehmekraut oder Frauenflachs (linariavulgaris). 3. Tausendguldenkraut (chironia centaureum. 4.Stierkraut oder Wohlgemut (origanum vulgare). 5. Ulerich-