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Johanniskraut oder „Käselkraut" mit blauen Blüten und derprächtig blühende, gelbe Frauenflachs, das „Abnehmekraut". —Als „Maria Bettstroh" wird das durchstochene Johanniskrautöfter auch in Unterbette gelegt. Es schützt dort alle, die daraufschlafen, vor Krankheiten und vor bösem Zauber. Sein gelberSaft heilt alle Brandwunden. In Amulette genäht und auf blofzeroLeibe getragen bewahrt das Johanniskraut vor Stich und Schulz.— Ein ebenso heil- und zauberkräftiges Hilfsmittel ist das Käsel-kraut bei Krankheiten der Haustiere und zur Abwehr von Hexenund Dieben. — Ist jemand verzaubert, oder nimmt sein Körperab durch Beschrauung, durch unglückliche Liebe und unholdeEinflüsse, dann hilft ein Bad im Absude von Frauenflachs. Jemehr der Absud beim Baden oder Waschen gerinnt, um so mehrnimmt er alles Krankhafte aus dem Körper weg.
Am G'hanstag, dem längsten Tag des Jahres, soll das Wet-ter warm und schön sein. Regnet es, dann „versaufen dieNüsse", die sich am G'hanstag schliefzen sollen.
Dem Johannisfeuer sind im Herbste die Weidefeueran Sitten und Bräuchen ähnlich, doch werden diese nicht vonden Gemeinden angezündet, sondern nur von einer ScharBuben, die nach der Ohmeternte das Vieh auf die Weide treiben.Während sie es dort tagsüber hüten, pflegen sie sich Kartoffelnzu braten und sich mit frohen Spielen zu belustigen.
Im Laufe des Sommers bringt das Kirchenjahr sehr wenigeallgemeine Feiertage. Um so reicher ist die Sommerzeit für dieLandleute an dringenden Arbeiten und an täglichen Freudenin Wald und Flur. — Die Heiligenfeste, selbst das Fest derApostelfürsten Petrus und Paulus, am 29. Juni, sind seit derfranzösischen Revolution von 1794 abgeschafft oder abge-würdigt, d. h. auf den nachfolgenden Sonntag verschoben. Einstwar der 29. Juni auch bei uns, wie im rechtsrheinischen Bayernnoch, ein hohes, volkstümliches Fest vor Beginn der Ernte;denn „Peter und Paul machen dem Korn die Wurzel faul"und bald darnach beginnt die Ernte. — Da müssen alle, die Krafthaben, mithelfen Korn und Weizen, Gerste, Spelz undHafer abmähen und schneiden, in Garben binden und heim-tragen oder heimfahren, die Aehren lesen und die Stoppel-felder mit Winterrüben bestellen. Dazu sind dem Bauern auchdie längsten Tage von frühmorgens bis abends spät nie langgenug und dazu braucht er auch warmes, sonniges Erntewetter.—■ Wie dieses ausfallen wird, das entscheidet das Fest MariaHeimsuchung, am 2. Juli; denn „wie die Muttergottes über