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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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kann stecken, wo er will, schreit er noch im April." Hat manbei seinem ersten Rufe Geld in der Tasche, dann hat man dasganze Jahr; wenn nicht, dann das ganze Jahr keines. Fragtman ihn, dann kündet die Zahl seiner Rufe die Zahl der Jahrebis zur Ehe, oder bis zum Lebensende des Fragers.

Am Abende vor dem 1. Mai, dem Tage der hl. Wal-purga oderW a 1 p u r g i s", die oft .verwechselt werden, be-ginnt im Dorfe die Walpurgisnacht oder die Hexennacht.In dieser Nacht kommen die Hexen zusammen an den Kreuz-wegen um zu tanzen, oder sie reiten auf Böcken, auf Birken-besen, Ginsterbesen und Brotschiefzern mit dem Teufel durchden Schornstein auf den Blocksberg, oder sie versuchen imDorfe allerlei bösartigen Spuck zu treiben, Goethe hat diesenHexenglauben einst in Sesenheim kennen gelernt und in seinerWalpurgisnacht, im 2. Teil seines Faust, dramatisch behandelt.Auch sein GedichtDen XXXabend: Es schlug mein Herz, ge-schwind zu Pferd!" knüpft daran an.

Dadurch und durch die vielen mittelalterlichen Hexen-prozesse, durch denHexenhammer" und ähnliche Schriften istdieses Stück uralten, deutschen Volkstumes weithin bekanntgeblieben. Heute glaubt auch im Dorfe niemand mehr anHexen. Aber die Ueberlieferung spricht von ihnen, der Volks-glaube erzählt von ihnen und viele schützen sich noch vor ihnenwie in alter Zeit, indem sie nach dem Herkommen vor der erstellMainacht drei Kreuze} -j- -J- mit weifzer Kreide über ihre Haus-türen und Stalltüren schreiben und manchmal auch die Namens-züge der hl. Dreikönige und Magier, Caspar, Melchior und Bal-thasar: C -j- M f B f beifügen, oder indem sie einen Trudenfufzauf ihre Türschwelle zeichnen. Trotzdem sind Menschen undTiere und Sachen manchmal noch verhext oderwie verhext".

Es gibtohne Zweifel auch noch Leute, die mehr könnenals Supp' essen", sagt das Sprichwort. Es gibt auchLeute mitbösem Blick". Wenn diesein den Hof gucken, verrecken dieHühner". Es gibt Frauen, die schütten eine Tasse Rahmin ihr grofzes Butterfafz und legen ein rotes Läppchen um denStolzer. Dann zaubern sie aus fremden Häusern, einen Topfvon da, den andern von dort herbei, bis ihr Falz voll ist. Danngibt es auch solche, die in nachtschlafender Zeit unsichtbar infremde Ställe gehen, dort die Kühe ausmelken, bis sie blutigeMilch geben und Eutergeschwulste bekommen. Es gibt auchNachtmare, welche die Tiere nachts nafz reiten' oder sie zu-sammenkoppeln, so dafz sie fast ersticken, die ihnen Haarzöpfe

Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 8

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