Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

-'.- 18 8 ffi . "..:

108

Die aufzerkirchliche, d. h. die weltliche und volkstümlicheFeier der Marienfeste ist durch die Reformation im 16.Jahrhundert wesentlich gemindert, durch die Revolution i. J.1794 aufgehoben worden. Die Heiligenfeste bestehen seitdembei uns nur noch in der Kirche selbst fort als festa chori,n o n fori. Nur Maria Himmelfahrt, am 15. August, ist einöffentlicher Feiertag geblieben, weil dieser höchste Marientagzugleich der Geburtstag des Kaisers Napoleon I. war, der bis1813 auch die Pfalz beherrschte.

Das Fest der Erscheinung der unbefleckten Jung-frau Maria zu Lourdes in Frankreich, am 11. Februar 1858, unddie Nachbildung der Lourdesgrotten war seit Einführungdieses Festes durch Papst Pius X., am 27. November 1907,auch bei uns auf dem Wege rasch volkstümlich zu werden, bis1914 der Weltkrieg ausbrach. Jetzt sind die süfzlichen französi-schen Bilder bei uns seltener geworden. Das ist für die Erhal-tung des alten, guten Kunstgeschmackes bei uns zu begrüfzen;denn wir haben bessere Heiligenbilder. Die schönste pfälzischeLourdesgrotte hat St. Martin über der Krobsburg, die zur Zeitder Sommerblüten viel besucht wird.

Auch der hl. Joseph, der greise Zimmermann vonNazareth, das Haupt der hl, Familie, wurde als Nährvater Jesuund als Bräutigam der hl. Jungfrau Maria von jeher in der Kircheviel und hoch verehrt. Diese Verehrung wurde aber noch wesent-lich höher und volkstümlicher, seitdem ihn Papst Pius IX. zumbesonderen Schutzpatron der ganzen Kirche erhoben hat.

Man weifz von Leben des hl. Joseph sehr wenig, aber durchfromme Legenden und Rückschlüsse ist er zum Muster undVorbilde aller Arbeiter und Familienväter, aller Erzieher undEheleute geworden und darum auch zu ihrem besonderenSchutzpatrone- Anderen Heiligen ist es gegeben in beson-deren Anliegen zu helfen, dem hl. Joseph und der hl. Mariaaber in allen Anliegen. Darum werden jetzt so viele Kinder undso viele neue Kirchen nach ihnen benannt. Sie werden alleunter ihren besonderen Schutz gestellt. Sogar in den altenKirchen werden jetzt immer mehr Seitenaltäre ihren altenPatronen entzogen; denn die linken Altäre werden fast stereotypdem hl. Joseph, die rechten der hl. Jungfrau Maria geweiht.Ihre Statuen stehen in allen Kirchen und ihre Bilder, auch dieBilder der hl Familie, hängen jetzt in allen katholischen Familien.Darum sollte die Kirchenbehörde den Malern und Gipsgiefzernstrenger auf die Finger sehen, damit sie nur gute und richtige Bil-