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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Von da an gehen Scharen von frommen Betern, besondersKinder und Frauen, mit brennenden Wachsstöcken zum Choreder Kirche um dort die fünf Wunden des Kruzifixus zu küssen.Andere beten still in ihren Bänken, oder sie nehmen teil anden allgemeinen Betstunden, die ununterbrochen bis abends6 Uhr dauern. Die Gebete werden nur in der TodesstundeChristi, um 3 Uhr nachmittags, von der Karfreitagspredigt unter-brochen, an die sich aber gleich wieder die allgemeine Kreuz-wegandacht,die 14 Stationen", anschliefzen.

Dabei ist unter einem Seitenaltaredas hl. G r a b"Christi sichtbar, das bis zur Auferstehungsfeier am Karsamstagebenfalls von vielen Betern besucht wird.

Zur Karfreitagspredigt um 3 Uhr mittags, in derTodesstunde Christi, und zu den daran sich anschliefzendenAndachten beim hl. Grabe erscheinen die Frauen alle inTrauerkleidern und mit brennenden Wachsstöcken wie beiTrauergottesdiensten für ihre Verstorbenen.

Wie auf den abgeräumten Altären so ist am Karfreitag auchin den Häusern keine rechte Ordnung. Menschen und Tieremüssen an diesem Tage trauern und fasten. Nach dem Volks-glauben trauert auch die ganze belebte und unbelebte Naturmit: Die Winde ruhen, die Sonne scheint nicht oder-blickt nurtrübe, die Vögel sitzen still und stumm. Feldarbeiten sind ver-boten. Nach der Volkssage hat Christus aber auf seinemLeidenswege die Frau gesegnet, die am Karfreitag Brot bäckt,und die verflucht, die da einen Stall ausmistet, weil der Duftfrischen Brotes ihn auf seinem Kreuzwege erfreute, der Stall-geruch ihn belästigte.

Ein alterHimmelsschlüsse 1", der irgendwo vomHimmel auf den Altar einer Kirche gefallen ist, und der auchbei uns einst von vielen täglich gebetet undin hl. Kette", weitergegeben wurde, weil er d e m ewige Seligkeit verheifzt unddenHimmel aufschliefzt", der ihn täglich betet, schildert den TodChristi am stillen Freitag anders als die Bibel und ähnlich demTode des Sonnengottes Balder nach der Edda:Als Jesus inden Garten ging, Allwo sein bitteres Leiden anfing. Datrauerte alles, was da was, Laub und Strauch, Baum und Gras- Da kam ein falscher Jud gegangen, Der trug ein Schwertin seiner Hand, Er trug ein Schwert in seiner Faust. Da-mit stach er Herrn Jesu sein Herz heraus. FünftausendWunder zeigen sich; Die hohen Berge beugen sich, Die

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