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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Kl

auch ein unschuldiges Blut. Das Herz im Leib mir brechentut; Grofz war sein Schmerz, Grofz seine Pein. Wirweinen das Wasser in den Rhein." Gleich darauf folgte aberwieder das frisch und froh gesungene:Stab' aus! Stab' aus! Dem Winter stecht die Aege aus! Mit feuerrote BlumeHolen mer den Summer. Ri, ra, ro! Der Summerdagesch do!"

Wurden die Singbuben einmal unfreundlich empfangenund ohne Gaben abgewiesen, dann streuten sie Spreu in denHausgang oder auf die Hausstaffel und sangen:Neidhaus,Neidhaus! Der Teufel guckt zum Fenster heraus!"

Waren alle Häuser durchzogen, dann fand am Abend vordem Dorfe, im Beisein der ganzen jungen Mannschaft, derWettkampf zwischen Sommer und Winter statt. Der Wintermufzte im Ringen zuletzt unterliegen. Seine Strohhülle wurde ihmabgerissen und auf den Misthaufen geworfen; darüberdas" Efeudes Sommers, Dann wurden die Kleider und die Gesichter ge-reinigt, die gesammelten Gaben gleichmäfzig verteilt, die Eiergebacken und mit Brot bei einem gemeinsamen Festmahleverzehrt.

Im nächsten Jahre kamen jedesmal acht andere Burschenan die Reihe. So verlief das Sommertagsfest bei uns friedlichbis zum Jahre 1880. Da hatte ein verrufener Bursche, den nie-mand gern im Dorfe sah, sich zum Rufzebutze gemacht. DieserRufzebutze hat eine fremde Frau, die mit einem PäckchenEllenwaren durch Dernbach nach Ramberg ging, ebenfalls ange-halten. Die Frau weigerte sich aber ihm zwei Pfennige als Lösungzu geben und drängte vorwärts. Dabei fiel ihr Päckchen zuBoden und schon öffneten die Bürger ringsum die Fenster umden Rohling zurecht zu weisen. Die Frau ging dann auch un-behelligt weiter, stellte aber Strafantrag. Der Bursche erhieltein paar Tage Gefängnis und zwar mit Recht. Das Sommertags-spiel aber wurde gleichzeitig auf Befehl des Amtsrichters mitUnrecht verboten und fortan für alle eingestellt. Es war schadeum das schöne, sonst so frohe und harmlose, uralte Volkstum,das so recht die Freude am wiederkehrenden Sommer zum Aus-druck brachte. Es war ein Rest des altgermanischen Sonnen-jahres, der sich im Anschlufz an den Sonntag Laetare desKirchenjahres soviele Jahrhunderte erhalten hatte.

In Eufzerthal ist der Umzug am Sommertage ein wenig ver-schieden durch Zutun desH a n s e 1 F i n g e r h u t" und seinesAnhanges. Ebenso ist es in Lambrecht und Forst. Der Sommer