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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Das wichtigste Amt der Hausfrau ist aber ihrMinisterium für Unterricht und Kultus. Sie übt dasselbe ge-schickt und leicht, indem sie nach dem Herkommen mit Wortund Tat den Grofzen und den Kleinen alles vorsagt und durchihr gutes Beispiel täglich vormacht und einübt. Sie betetmit ihnen jeden Morgen und jeden Abend laut vor der Herr-gottsecke; kurz, nurdie gute Meinung", wenn die Zeit undArbeit drängt, länger, wenn dazu Mufze vorhanden ist. Siebetet auch mittags und abends laut für alle den Tischsegen, be-vor sie sich auf ihre festbestimmten Plätze zum Essen nieder-setzen. Sie spricht am Schlüsse jedesmal auch das Dankgebet,wenn alle wohlgesättigt sich erheben. -- Sie segnet jedenBrotlaib, den sie für die Ihrigen anschneidet mit einem querübermit dem Messer gezeichneten Kreuze und den Worten:Herrsegne dieses Brot und alle, die davon essen!" Sie bekreuztsich frühmorgens, mittags und abends, wenn es Angelus läutetund betet dann bei der Arbeit still für sich oder auch laut mitihren Kindern denEngel des Herrn". Die Kinder aber sprin-gen nach alter Sitte beim ersten Glockenzeichen von der Strafzeheim zum Gebete, zur Mutter. Die fromme Mutter gibt ihrenKindern auch täglich zweimal den Segen mit Weihwasser. Siemacht ihnen dabei ein kleines Kreuzlein auf die Stirne, zuerstfrühmorgens, wenn sie aufstehen, oder auch bevor sie zurSchule gehen, dann auch abends bei dem Gutnachtkusse undAbendsegen, wenn sie schlafen gehen.

So übt die Hausfrau täglich ihr Ministerium des Kultus,dem alle Hausbewohner nach alter Sitte sich folgsam unter-stellen, wenn es volkstümlich und ungesucht, frisch und frohgeübt wird als etwas Selbstverständliches.

Bei der Hausarbeit tagsüber hat die junge Mutter zugleichauch ihre Kinder zu hüten. Sie hält diese zumeist um sich oderwenigstens in ihrer Nähe und erteilt ihnen dabei zielbewufztden ersten Unterricht. Sie singt und spricht mit ihnen, zeigtihnen bunte Bilder, erzählt ihnen kleine Geschichten, Märchenund Sagen. Bald dürfen sie kleine Gebete und Sprüche nach-sagen, hübsche Volks- und Kirchenlieder mit ihr singen, Hand-reichungen machen und der Mutter schaffen helfen, bis sieallmählich alles fast ebensogut.können wie die Mutter. Sinddie Kinder soweit gediehen, dann dürfen sie schon frühzeitigernstlich bei der Arbeit mithelfen. Sie dürfen auch schon frühein der Familie vorbeten, vorlesen und ihre Erlebnisse erzählen,wobei Vater und Mutter noch lange geduldig immer wieder