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Einleitung.
Habent sua fata libelli! Der einsame Mönch in der Kloster-zelle oder der gelehrte Kanzler der Pariser Universität im stillenStudierraume, wer immer das Buch von der Nachfolge Christiverfasst haben mag, er hat die dereinstigen Schicksale desselbennicht geahnt! Nimmer hätte er geglaubt, dass sein bescheidenesWerklein millionenfach vervielfältigt, über die* ganze Erde verbreitet,in alle Sprachen der Welt, selbst die entlegensten, übersetztwerden, dass es unter Mönchsorden und Nationen um die Ehre, denAutor zu den Ihrigen zählen zu dürfen, einen Streit entfachenwürde, der noch nach vier Jahrhunderten des Entscheides harrt!
Diese Bibel in Sinnsprüchen fast poetischer Form, „die Roseim Klostergartcn der Brüder des gemeinsamen Lebens", wie dieImitatio treffend einmal genannt worden, ist zu dem nächst derheiligen Schrift populärsten Andachtsbuchc geworden. Sie ist vonLeibnitz als eines der vortrefflichsten Werke, die je verfasstworden, von Fontenelle als das schönste Buch gepriesen worden,welches aus Menschenhänden hervorgegangen, „denn das Evan-gelium sei göttlichen Ursprunges"; Pierre Corneille hat sie einerpoetischen Übertragung für wert erachtet, und Karl Simrock hateine Wiedergabe in deutschen Versen unternommen und zumgrössten Teil in meisterhafter Form fertiggestellt. 1 ) Und wiebedeutende Geister sich zu ihrem Lobe vereinigt, so haben her-vorragende Gelehrte durch all die Jahrhunderte immer wiederversucht, ihrer wahren Quelle und den Bedingungen, unter denensie entstand, auf die Spur zu kommen. Die Streitschriften für
1) Im Drucke ist diese Übersetzung nicht erschienen. (Vergl. Annalendes hist. Vereins für den Niederrhein. 1882. Heft 38, p. 149.)