44 I.
In den ersten Tagen des September 1589 griff näm-lich die lutherische Gemeinde zu einem dem Gutachten desHunnius entsprechenden Mittel, das aber für sie — die Mino-rität — von vorn herein als durchaus verfehlt bezeichnet wer-den muss. Das Consistorimn entsandte nämlich am 5. diesesMonats Abgeordnete und als deren Wortführer den einfluss-reichsten Mann der Gemeinde, den spätem BürgermeisterJohann Kalkberner aufs Rathhaus, um über diese Angelegen-heit mit dem Rath selbst in Verhandlung zu treten 1 ). Ob mansoweit gehen wollte, dort eine Bescheinigung des bestehen-den Gegensatzes zwischen der lutherischen und den reformir-ten Gemeinden zu verlangen oder durch diesen ganz öffent-lich unternommenen Schritt nur die Existenz des Zwiespaltesdarlegen wollte, vermag ich nicht zu entscheiden, da dieVerhandlungen gleich in einem sehr wenig sachlichen Tonmit den heftigsten Worten geführt wurden. BürgermeisterPeter von Zevel, der an Stelle des SchöffenbürgermeistersAnastasius von Segroedt 2 ) die Verhandlungen von Seitendes Rathes leitete, warf dem Kalkberner vor, dass dielutherische Gemeinde zum Schaden des städtischen Wohlesgefährlichen Umtrieben sich hingebe; man wisse recht wohl,dass ihre Mitglieder sich vor zwei Monaten gegen die Re-formirten mit dem katholischen Theil der Bevölkerung ver-bunden hätten, nachdem sie demselben von Haus zu Hausnachgelaufen. Kalkberner erwiderte nichts auf diesen Vor-wurf; wir werden aber gleich noch sehen, dass in der Thatdie Lutheraner nach ihrem eignen Zeuguiss Fühlung mitden Katholiken zu gewinnen suchten.
Trotzdem die Lutheraner aus den bisherigen Verhand-lungen schon entnehmen konnten, einen wie hohen Grad
1) Ueber die folgenden Vorgänge befindet sich im Archiv derAachener evangelischen Gemeinde von Kalkberners eigner Handeine ' Relation von den ti-oublen, womit meister Johan Kalkbernerbemühet gewesen' in zwei Heften auf 85 Folioseiten.
2) Dieser war eben auf einer Reise nach Maestricht begriffen.