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1 (1886) Zur Kritik sagenhafter Beziehungen Karls des Großen zu Aachen. - Die lutherische Gemeinde zu Aachen im Laufe des 16. Jahrhunderts
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12 I.

Denn dass durch Karl den Grossen Reliquien nachAachen gekommen waren, stand historisch fest, nur dasNähere über dieReliquien, ihre Zahl und ihren Charakter, wardamals so gut wie heute nicht nachweisbar; dass weiterhinKarl der Kahle seinem Lieblingskloster Saint Denis Reli-quien zuwandte, die sein Grossvater in der Aachener Kircheniedergelegt hatte, war auch von vorn herein nicht unwahr-scheinlich. Eine kühne Weiterentwickelung der Sage wares daher, wenn jene Beziehung zu Aachen weggelassenund der Vorgang so dargestellt wurde, als ob Karl derGrosse schon gleich nach seiner Rückkehr aus dem Morgen-lande die Reliquien an das Kloster Saint Denis geschenkthätte. Ein Versuch, der um so kühner war, als das her-vorragendste Erzeugniss dieser Klasse demselben Zweckediente, den die lateinische Legende verfolgte, nämlich denPilgern in Saint Denis die Herkunft der Reliquien zu er-klären, welche sie verehrten. Dass ein solcher Versuchgemacht werden konnte und verbreitet wurde, ist anderer-seits ein Beweis für das grosse Mass von Ungereimtheiten,welches das Publikum jener Tage ertragen konnte, ohnedass sein kritischer Sinn geweckt worden wäre*).

Hauptsächlich vertreten wird diese zweite Klassedurch das von einem wahrscheinlich aus Paris stammendenDichter verfasste altf'ranzösische Epos 'Yoyage de Charle-magne ä Jerusalem et ä Constantinople', über dessen Ent-stehungszeit sich die Ansichten von Francisque Michel,Leon Gautier u. a. (sie verlegen dieselbe in den Anfangdes 12. Jahrhunderts), sowie die von Paulin Paris, EduardKoschwitz und Gaston Paris (Ende des 11. Jahrhunderts)gegenüberstehen 2 ). Hier wird erzählt, wie Karl in Jeru-

1) Um so mehr, als sich hier auch sonst grosse Abweichungenvon der Erzählung der lateinischen Legende zeigen. So wird z. B.hier der Zug Karls nach Palästina als Pilgerfahrt, in der lat. Le-gende dagegen als Kriegszug dargestellt.

2) Hrsg. ist dieses Epos 1) von F. Michel, Charlemagne, ananglo-norman poem of the twelfth Century, London 1836 und