I. 11
lant an 1 ). Auf unsere Legende geht natürlich auch derBericht über die Reliquieu und die fingirte Kirchenver-sammlung in Aachen zurück, den Saussey im 17. Jahr-hundert in den Annalen der Kirche von Orleans 2 ) zum Be-weise der Existenz eines, wie er sich ausdrückt, bisherstets übersehenen Bischof Guibert von Orleans anführt; einsolcher Guibert findet sich in der That unter den in derLegende als Theilnehmer an jenem Aachener Concil auf-gezählten Prälaten 3 ). Ganz selbstverständlich ist, dasseine Häufung von Citaten aus diesen abgeleiteten Quellendurchaus nicht im Stande sein kann, die Beweiskraft derallen gemeinsamen Grundlage zu vergrössern, die Glaub-würdigkeit der von dieser erzählten Ereignisse im min-desten zu erhöhen. Alle diese Nachrichten sind eben nichtsweiter, als eben so viele Belege dafür, dass man damalsallgemein an die Richtigkeit dieser Ueberlieferung glaubte 4 )— ein Umstand, der für die Bestimmung unseres heutigenUrtheils durchaus ohne Belang ist.
Die zweite Klasse Hess, wie erwähnt, die Beziehungder Sage auf Aachen fallen. Mit gutem Grunde hatte derVerfasser der Descriptio den Vorgang so erzählt, dassKarl der Grosse die Reliquien nach Aachen, Karl der Kahledieselben erst nach Saint Denis gebracht.
1) Hrsg. von de Vries undVerwijs (Leiden 1863) III, 178,233. Das von Karajan in Haupts Ztschr. für deutsches Alterthuin.(I, 103 —111) herausgegebene Bruchstück stammt aus Jacob von Maer-lant III, p. 178 (IX, Vers 11—88).
2) Sausseyus, Annales ecclesiae Aurelianensis (Paris 1615)p. 278.
3) Kessel, Geschichtliche Mittheilungen über die Heiligthümerder Stiftskirche zu Aachen S. 170, vgl. 16, 21. Wie Kessel zu derBehauptung kommt (p. 16), die Quelle, aus der Saussey schöpft,gehöre ' wahrscheinlich dem 9. Jahrhundert an', ist mir unbegreiflich.
4) Der einzige, der ihnen ablehnend gegenübersteht, ist derbekannte Quellenschriftsteller des ersten Kreuzzuges, Wilhelm vonTyrus.