00 25 °<>
GoETHE'schen Parabel, die gemalte Kirchenfenster zuerstnur von aussen beschauen —
Kommt aber nur einmal herein,Begrüsst die heilige Kapelle!Da ist's auf einmal farbig helle,Geschieht' und Zierat glänzt in Schnelle,Bedeutend wirkt ein edler Schein;Dies wird euch Kindern Gottes taugen,Erbaut euch und ergötzt die Augen!
Es ist eine beachtenswerte Erfahrung, dass viele sichin die wissenschaftliche Literatur und ebenso in die ernstePoesie „hineinlesen" durch Vermittelung des Romans, denman ja das Epos unserer Tage genannt hat. Man wirdalso diese wichtige selbständige Kunstgattung, ohne dieVielleserei gutzuheissen, auch wegen ihrer anregenden Wir-kung nicht unterschätzen, vielmehr ohne Bedenken unterdie Leute bringen dürfen, sie erweckt in manchem Leserein ehrliches und dauerndes Kunstinteresse. Ebenso diekomische Literatur. Wie die Fröhlichkeit in der Erziehungder Jugend ein unentbehrliches Element ist, so darf sie auchin der Lektüre der Erwachsenen nicht fehlen; dass offen-bar anstössige Sachen, für den wissenschaftlichen Forscherunschädlich und unentbehrlich, nicht der allgemeinen Be-nutzung preisgegeben werden, ist selbstverständlich. Wowissenschaftliche Bibliotheken auch mit den zur unbe-schränkten Mitteilung geeigneten Dichtungen zurückhal-tend sind, liegen besondere Gründe vor; so wenn am selbenOrte befindliche populäre Bibliotheken in die Lücke treten.Wo der starke Betrieb oder die Pflicht, ein Werk in brauch-barem Zustande auf die späteren Geschlechter zu verer-ben, die Beschaffung mehrerer Exemplare erfordert, dasind das Ausgaben dringlicher Art; die Bibliotheken habenbei uns in der Regel keine Einnahmen aus eigenem Ver-mögen, sie müssen und sollen ausgeben, um ihre Aufgabezu erfüllen. Es ist auch kein Unglück, wenn gute, aber er-setzbare Bücher verbraucht werden, sie haben ihre Schul-digkeit getan. Sie haben den heutzutage recht knapp zu-gemessenen Mussestunden manches arbeitsamen Menschen