Druckschrift 
Die öffentlichen Bibliotheken und die schöne Literatur : mit besonderer Beziehung auf die Coelner Stadtbibliothek
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

I. EINLEITUNG

nsere vielberufene deutsche Kleinstaaterei hat,so sehr man die alte politische Zersplitterungbedauern mag, doch auch ihr Gutes gezeitigt. Be-rechtigterStammeseigenart, die anderswo einerweitgehenden Zentralisierung auf die Dauer nurmühsam widerstehen konnte, hat sie ihre Lebensbedingun-gen vielleicht noch für lange Zeit gesichert; auf einem ande-ren Gebiete ist sie geradezu eine wirksame Förderin derdeutschen Einheitsbestrebungen gewesen. Sie hat dem deut-schen Vaterlande für seine höchsten Kulturinteressen einestattliche Zahl von wohnlichen Pflege- und Heimstätten ge-schaffen und erhalten; und um den heutigen Stand unseresBildungswesens voll verstehen zu können, wäre eine neueGeschichte der deutschen Höfe", welche die Verdiensteauch der kleineren unter ihnen um den Schulunterricht,um die Pflege der Wissenschaften und Künste beleuchtete,nicht zu unterschätzen. Unter den zahlreichen, über dasganze Reich zerstreuten Bildungsanstalten stehen die Bib-liotheken nicht an letzter Stelle; und neben denjenigen derUniversitäten und einiger Städte sind es vornehmlich dieHof- und die Landesbibliotheken, welche bis heute, wennauch nicht selten unter den bescheidensten Verhältnissen,ihre wissenschaftliche Bedeutung behalten haben. Sie zeigenvielfach einen überraschenden Reichtum an älteren Schät-zen und Kostbarkeiten der Literatur, und sie sind in derMannigfaltigkeit und Eigenart der Bücherbestände mit denVerhältnissen der Landschaft und der Bevölkerungskreise,