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X. A 65.
Taf. XXXV. Fig 1 und la.
Schussfraktur des linken Oberschenkels.
Ursprünglich Schrägfraktur mit sehr vielen Splittern. Dasobere Fragment ist. von der Spitze des Trochanter major ge-messen, vorn 15, hinten 7 cm laug. Die Vereinigung ist so er-folgt, dass das untere Fragment 8 cm nach hinten und aussenin die Höhe gezogen ist; das obere bildet mit ihm einen nachhinten und innen offenen stumpfen Winkel; die Spitze desoberen Fragmentes steht von der vorderen Fläche des unteren■ cm ab. Von beiden Bruchstücken sind sehr umfangreicheKalluswucherungen ausgegangen, welche sich im Scheitel desWinkels vereinigen. An der äusseren Seite des unteren Brück-endes ebenfalls starke Kalluswucherungen, welche einen 8 cmlangen, 1—1,5 cm breiten Sequester lose einschliessen. Ausser-dem liegen noch viele grössere und kleinere Splitter um und inder Bruchstelle. Ohne Gypsverband mit Streckscbienen behandelt.Otto Hansen vom 3. Westfäl. Inf.Regt. No. 16, verwundetam Ki. August 1870 aus grösster Nähe, Tod am 10. Dezember1870 an Diphtheria coli, Dekubitus und Lungeuödein.
Sektion: Zwischen Tuber ischii und Trochanter ist dienoch offene Einschussöffnung, welche in die Jauchehöhle derFraktur führt. Von hier ziehen sich mehrere Gänge zwischendie Muskeln, in denen zum Theil Kuochenpartikel und ein Kugel-fragment liegen. Hüftgelenk frei. Vernarbter Ausschuss an derInnenseite des Schenkels dicht unter dem Perineum. Streifschussheider Hoden (geheilt mit Narbe im rechten, Abzess im linkenHoden). Geheilter Weichtheilschuss als Fortsetzung des erstendurch den rechten Oberschenkel. Chronische Diphtheria coli,starker Dekubitus am Kreuzbein, Lungenödem.
X. A 66.Taf. XXXV. Fig. i und Taf. XXXVI. Fig. 1 u . la.SchusslVaktur des linken Femur dicht unterhalb der Mitte.Unteres Bruchstück nach hinten um 9 cm gegen das obereverschoben. Beide sind von massigen Kalluswucherungen um-geben, welche durch ihre unregelmässige Gestalt die Bruch-enden in ihrer Lage fixiren, ohne sie zu vereinigen, das untereEnde des oberen Bruchstückes steht von der vorderen Fläche desunteren 4 cm ab. In den Kallusmassen sind zahlreiche, nekro-tische Knochensplitter eingeschlossen, andere nicht nekrotischedamit vereinigt. Einer der ersteren zeigt an seinem sichel-förmigen Rande (Anprallstelle) einen schmalen, schwarzbraungetrübten Saum. Dieser Splitter ist quergestellt und an eineroffenbar nicht ihm gehörigen Stelle am oberen Fragment zwischenbeiden Haupt Fragmenten ahgelöthet; ebenso zeigt ein ursprüng-lich abgetrennt gewesenes, jetzt aber wieder fest vereinigtesgrösseres Stück des unteren Fragmentes an seiner Innenflächeeinen Brandfleck. In den Kallusmassen, namentlich des unterenFragmentes, stecken sehr zahlreiche ganz feine und gröbere Blei-parhkel. Die Konfiguration der Bruchstelle ist so erfolgt, dassinmitten derselben eine Höhle von der Grösse eines kleinen Apfelsgeblieben ist, in deren unterem Ende, im Kallus des unteren Frag-mentes, sich bei der Sektion ein difformes Stück einer Kugelfand (fehlt).
Karl Friedrich Naumann, Sachs. Leib-Gren. Regt. No. 1006. Komp., verwundet am 18. August 1870, Tod am 30.November18(0 im Barackenlazareth Berlin an Erschöpfung.
Sektion: An der äusseren Seite des linken Oberschenkelsin der Mitte desselben eine grosse Wundfläche, von der ausman in eine die Frakturstelle umgebende Jauchehöhle gelangtVon dieser führen lange Gänge nach oben, weniger nach untenHüft- und Kniegelenk frei. Grosse Anämie, sonst keine Ver-änderung au den inneren 0:
X. A 67.
Linker Oberschenkel im oberen Drittel in einer Ausdehnungvon etwa 18 cm in zahlreiche (über 15) Stücke zerschmettert.Die Zerschmetterung beginnt an der Basis des Trochanter maj.Fast keine Kallusbildung. Beginnende Demarkation der nekro-tischen Bruchstücke.
Ernst Federich vom 6. Brandenburg. Inf. Regt. No. 52,verwundet am IG. August 1870, gestorben am 17. Oktober 1870au Pyäuiie im Barackenlazareth Berlin.
Sektion: Grosse Schussöffnung 8 cm unterhalb der Spitzedes Trochanter major. Jauchehöhle, die bis zur Mitte desUnterschenkels herabreicht. Ein Stück des Projektils im Ad-duetor brevis eingekapselt. In der Jauchehöhle noch mehrereFetzen wollenen Gewebes. Knie- und Hüftgelenk frei,bosis der Vena femoralis. Embolien der rechtenDiphtheria coli.
Throin-Lunge.
rganen.
X. A 68.
Schussfraktur des linken Oberschenkelsdicht unter den Trochantern mit enormer Splitterung in derAusdehnung von 11cm. Keine Konsolidation. Das Hüftgelenkscheint nicht eröffnet gewesen zu sein. Der Kuorpelüberzugdes Gelenkkopfes ist theilweise rauh und glanzlos.
Das Präparat besteht aus dem oberen bis 10 cm unterhalbder Spitze des Trochanter major herabreichenden Abschnitte desFemur, aus dem grössten Theil der Diaphyse mit dem Kniegelenks-ende und aus einer Anzahl zum Theil nekrotischer Splitter miteinigen Kallusmassen. Dasselbe stammt aus dem Feldzug 1870/71.
X. A 69.
Schiissfraktiu' des linken Femur im unteren Drittel.
Das durch Amputation gewonnene Präparat zeigt starkeDislokation der Fragmente, massige Knochenwucherungen. Ander inneren Fläche eines grossen vorderen Bruchstückes sitztin der Spongiosa ein Stück Blei. Am oberen Rande des hinterenBruchstückes (Einschussöffnung) ist ein deutlicher, ganz schmalerBleisaum; sonst sind die Ränder des Bruches in grösserer undgeringerer Ausdehnung nekrotisch, jenseits der Demarkations-linien von ausgedehnten flachen Kallusproduktionen umgeben.
Fey, verwundet am 14. August 1870 (Chassepot). Ein-schuss hinten dicht über den Kondylen des Femur. Kugel unterder Haut, dicht über der Patella, stecken geblieben. Anfangskonservative Behandlung, am 12. September profuse Blutungaus der Arteria femoralis, infolge dessen am 12. September1870 Amput. femor. zwischen oberem und mittlerem Drittel.Hier grosse Eiterhöhle. Befriedigender Wundverlauf. Gestorbenan interkurrenter Dysenterie am 27. September 1870.[8. Feldlazarett I. Armeekorps, Vaudoncourt. Chefarzt Dr. Thiele.]
X. A 70.
Schussfraktur des rechten Oberschenkels.Der Schuss hat die Höhe der beiden Trochanter getroffenund hier den Knochen in vier grössere Fragmente und vielekleinere zerbrochen. Ausgedehnte Nekrose des Schaftes, welchesich bis 8 cm unterhalb des Trochanter minor erstreckt unddurch sehr tiefe Demarkation abgegrenzt ist. Rindensubstanzan Schenkelhals und Kopf stark zerfressen. Der Gelenküberzugdes Hüftgelenks total zerstört. Sehr spärliche Knochenneu-bildung an der vorderen Fläche.
Franzose, aus dem Kriegslazareth zu Noveant 1870/71.
[Stabsarzt Dr. Wolff.]14*
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