Druckschrift 
Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

Studien über Rudolf von Ems. 109

erhebt er Einspruch reine Frauen zu schelten ist nach demhöfischen Ehrenkodex grobe Zuchtlosigkeit (Wilmanns, LebenWalthers S. 237, 2. Aufl. S. 259) und setzt dieser Verläumdungumgekehrt in blühender Sprache, einem Minnesänger gleich, einenHymnus auf die Frauenherrlichkeit entgegen. Indem er so fürsein ritterliches Ideal eintritt, verteidigt er die Lebensanschauungseines Standes und das Recht der freieren weltlichen Sittlichkeitgegenüber der asketischen Mönchsmoral seiner Quelle. Freilichdarf man diese Äußerung seiner Überzeugung nicht als ein Zeichenbesonderen Freimutes ansehen, denn eine derartige Verteidigungdes Frauencharakters ist nicht unkirchlich, selbst ein so unerbitt-licher Eiferer wie Heinrich von Melk will von den edeln Frauennichts Übles sagen (Erinnerung 340). Gerhard und Josaphat, beidedienen Gott in Aussicht auf Belohnung mit der himmlischen Wonne.Aber der Laie vollbringt zugleich seine Pflichten gegen die Welt,deren höchste ist, Unglück zu lindern, der Asket sorgt nur um seinSeelenheil. Gerhard ist Nathan der Weise, Josaphat kann mandem Derwisch vergleichen.

Auch in den beiden weltlichen Romanen läßt Rudolf seinepersönliche Lebensanschauung stark mitschwingen. Es sind Ideal-bilder für die ritterliche Gesellschaft. Das erstrebte Ziel ist zu-nächst ein rein irdisches: den Preis der Welt erwerben. Die Aufgabe,die der Dichter im Alexander sich stellt, spricht er im I. Prologaus: und wil iu bescheiden hie an dirre äventiure, wie ein der tugent-richste man der ritters namen ie gewan dirre weite pris erwarp . .wie im besunder wart erkom der weite hcehestiu werdekeit usw. 4156.ferner 12941.12955.15646.20586. Der tugentriche Alexander (71 f.),zugleich der seeldenriche 20564 (Junk S. 456), ist ein Muster fürden ritterlichen Mann, die Dichtung ein Bildungsroman für dieAristokratie: daz sin lop, sin name, sin leben an lobe ze mäze ist ge-geben den tumben und den wisen 51 f., auch 1296112964. Er ist derhöchste Typus des ritterlichen Helden, der wunderliche (admirabilis)71-74. 87f., derwisewundereere 15792. 15812. 15828 (Junk S.461),vgl. ferner 13021.13025.13040; der Übermensch, der mitkreften über-want elliu künecriche 13022 f., unz er mit höher werdekeit den namenund den pris erstreit daz er hiez monarchus, der name betiutet sichalsus: vürste aller künege einer .. 1565315660; der in verschlosseneWeltteile, in die Tiefen der Meere und an die Pforten des Para-dieses gedrungen, dem der höchste Ruhm, und unbegrenzte Machtzuteil geworden sind. Alexander ist aber dem Mittelalter