106 Gustav Ehrismann:
dinc ie lieber ist, so der Ion ie groezer wirt 4444 f.; vgl. auch 447bis 484. 595f. 1862-1868 (hier und 1888 sind die drei Wertedes ritterlichen Tugendsystems guot, ere [hier = Ruhm], got bezw.sele, ere, lip mit einbezogen) 6734—6743. Hoffart und Demut sindim Verhalten des Menschen die ethischen Gegensatzwerte für diemetaphysischen Gegensatzideen Welt und Gott, Hoffart ist dieEigenschaft der Kinder der Welt, Demut die der Kinder Gottes.Der Kaiser, als rüemesaere (6728) ein Diener der Hoffart, hat zumLohn den Preis der Welt, nur durch Buße kann er wieder ze guotemlone kommen 561—566, 6803—6808; der Kaufmann aber, der demLohne Gottes Genüge tut, indem er die Gesinnung eines reinenHerzens sich zu erringen sucht, dem wird ewiglich gelohnt mitder Krone des Himmelreiches 537—548, vgl. 794—801. Denn wersich demütig erniedrigt, der wird erhöhet werden 4322—4328.Den Kaufmann stellt die Stimme Gottes dem Kaiser als Mustervor, denn er hat ihm besser gedient 567—596. Vor Gott abersind alle Menschen gleich.
Gerhard ist ein Entsagender, aber er ist es nicht gewordendurch die Erfahrungen eines schicksalsreichen Lebens, sonderner verzichtet mit Bewußtheit, gleichsam intellektuell, durch dieGebote der Religion belehrt; zweckbewußt in richtiger Abschät-zung der ethischen Werte gibt er die weltlichen Güter, Reichtum,Glück, Macht, hin für die geistigen, für Gott und die himmlische.Seligkeit. Seine Weltentsagung ist nicht Weltverachtung. Er hältauf würdige Lebensführung, er ist ein schöner Mann von ehrbaremAnstand und feiner Sitte, er kleidet sich reich, er erweckt sogardes Kaisers Aufmerksamkeit durch sein höfisches Benehmen (765bis 812). Der Dichter hat in ihm ein Beispiel des in der Weltlebenden Menschen gezeichnet, der seinen irdischen Beruf undzugleich die Gebote Gottes erfüllt. Welt und Gott vereinigt er insich dadurch, daß er die beiden Mächte, zwischen die der Menschzwiespältig hineingestellt ist, in richtigem Maße ausgleicht, indemer die Weltlust dem Seelenheil hintanstellt. Das ist das Sitten-gesetz des Laien. Ausgesprochen ist die Lebensanschauung Ger-hards besonders in den Versen 6733—6744: Got . . gebe uns seeldeund ere (irdische Güter) und ouge uns sölhe lere, daz wir in disenkurzen tagen die ewiclichen zit bejagen.
•Dem Dualismus des Ideengehaltes entsprechend zerfällt auchdie Erzählung in weltliche und religiös-ethische Bestandteile. DasGebiet der letzteren hat Rudolf über das durch den Erzählungs-