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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. 93

der Meisterschaft und Weisheit, die sich in ihm offenbare. Erhat also seine Stellung gegenüber Fleck und Ulrich v. Türheimgeändert, sein friunt (Wh. 4390) der Türheimiere (Wh. 2257),dessen Clies niuliche (vor kurzem, also nach dem Clies Flecks)erschienen war, hat den ihm ferner stehenden Flecke und seinenCliesroman in seiner Hochschätzung verdrängt (vgl. LeitzmannS. 316). Der Grund für diese neuerliche Bevorzugung Ulrichsliegt, wie die Aufnahme Gotfrids von Hohenlohe, darin, daßRudolf mittlerweile den schwäbischen Dichtern nahe getre-ten war. Und eben dadurch läßt es sich erklären, daß nun imWillehalm bei dem Dichter Absolon (Wh. 2209-2214) der Inhaltseines Werkes unter rühmenden Worten für dessen Helden, denKaiser Friedrich I. (seine Taten und Totenklage) angegeben wird:es ist eine Huldigung für das schwäbische Kaiserhaus der Staufer,dessen Ahnenreihe er später in der Weltchronik verherrlichte(2161721655) und für dessen letzten Herrscher, Konrad IV., erdie Weltchronik verfaßte. Auch die Totenklage endlich auf Konradvon Öttingen, Wh. 2084-2094, deutet darauf hin, daß Rudolfzur Zeit der Abfassung des Willehalm mit schwäbischen Herrenin Verbindung stand.

Gedächtnismäßiger Zusammenhang zwischen dem Alexanderund dem Willehalm spricht sich auch in einzelnen Wendungen aus.Die Bestandteile, aus denen die Verse über Fleck im Alexanderzusammengesetzt sind, kommen fast alle auch im Willehalm vor:süeze und underwilent sür, ir lieplich geselleschaft AI. 3244 f. = Vonlieplicher geselleschaft. . . Süezez sür und liebez leit Wh. 45.47 (Prol.I).Hier stimmt Willehalm näher zu der Grundstelle, Gotfr. Tristan 60ir süeze sür, ir liebez leit, aber der ganze Abschnitt Wh. 40 ff.überhaupt ist Gotfrids Tristan nachgeahmt.

Man kann hier versuchen, einen Blick in die Entstehungsweisevon Selbstwiederholungen zu tun. Der Dichter trägt einen Schatzvon Einzelvorstellungen in geformten Ausdrücken im Bewußtsein,die in den Blickpunkt treten, sobald das betreffende Vorstellungs-gebiet angeregt wird: bei Flecks Flore schwebt ihm, als er amAlexander arbeitete, als Zentralgedanke vor der süße und dochzugleich bitteres Leid bringende Liebesbund zweier jungen Men-schen, wie Floren unde Blanscheflür was süeze und underwilent sürir lieplich geselleschaft AI. 32433245; als er nun die jener Kinder-liebe so ähnliche Geschichte von Willehalm und Amelie begann,kamen ihm spontan die früheren im Alexander gebrauchten Worte