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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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92
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92 Gustav Ehrismann:

überhaupt nur im Willehalm, wo Rudolf sie als kunstverständigeKritiker (merksere 2291) anruft, die der Aventiure ein Urteil überseine dichterische Fähigkeit geben und seine Arbeit am Willehalmrechtfertigen sollen, dazu wohl auch noch in der Absicht, um siegünstig für sich zu stimmen (£// ir gnade 2297); nicht auch imAlexander, da er hier nur eine Übersicht selbstschaffender, ihmdem Epigonen zum Vorbild gereichender Meister gibt. Endlichdie Aufnahme von Konrad von Fußesbrunnen und das FehlenHeinrichs v. d. Türlin im Willehalm läßt sich aus dem Prinzip derVariation begreifen. Die Lücke, die durch Ausschaltung Konradsvon Heimesfurt entstand, konnte leicht ersetzt werden durch denihm literarisch nahestehenden Konrad von Fußesbrunnen (gemeintsind wohl seine verlorenen weltlichen Erzählungen, Leitz-mann S. 316f.), umgekehrt konnte für den neu eingeführten Hohen-lohe am leichtesten Heinrich v. d. Türlin getilgt werden, dennHohenlohes Roman scheint einen ähnlichen Inhalt gehabt zuhaben wie die Krone, die Rudolf zudem schon im Alexander nurmit Vorbehalt und bedingungsweise gepriesen hatte (vgl. JunkS. 443).

b) Bei der Reihenfolge der Dichter sind im Alexander deutlichzwei Abteilungen unterschieden: die Dichter der ersten Gruppe,von Veldeke bis zu Fleck, außer Konrad v. Heimesfurt, werdeneingehender gepriesen als die der zweiten von Absolon bis Ulrichvon Türheim, die nur mit einem allgemeinen Lob in zwei oderdrei Versen bedacht werden; der letzte, Ulrich v. Türheim, trittals Abschluß der ganzen Reihe wieder etwas mehr hervor. ImWillehalm besteht keine solche Abstufung in der Würdigung, nurin ganz auffallende Beleuchtung gerückt wird Ulrich v. Türheim.Er wird schon überhaupt äußerlich von seinen Vorgängern durcheine Zwischenrede der Aventiure getrennt 22522255 und aus-drücklich als der in der Gegenwart mustergültige Künstler hin-gestellt 22562270, und außerdem wird ihm eine besondere Hul-digung dargebracht, indem er später mitten in der Erzählung wegenseines Clies als hervorragendster Darsteller des Minnewesens ge-priesen wird 43904397. Im Alexander dagegen nennt RudolfKonrad Fleck als sein besonderes Vorbild, Ulrich v. Türheim wirdnur mit allgemein anerkennenden Worten bedacht (zu AI. 3263 f.vgl. 15775f., Junk S. 461); und während er hier Flecks Cliesneben dessen Flore als Liebesroman hervorhebt, nennt er ihn imWillehalm gar nicht und rühmt statt dessen Türheims Clies wegen