Druckschrift 
Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

Studien über Rudolf von Ems. 75

bungen und Beispiele der Wortwiederholung, die genau auf RudolfsManier passen. Wortwiederholung (variatio) und Wortspiel, Alli-teration, Reihen (articulus, congeries) sind seine hauptsächlichstenKoloraturen. Man kann die Rede erweitern (amplificare) oder kürzen(curtare); man erweitert durch VariationdesBegriffes(Wiederholung),Leyser S. 874, 217ff.; bei der Kürzung, Leyser S. 900, 697ff.,muß man den Pomp meiden, die Wiederholung des Wortes, zuempfehlen ist der articulus punctim caesus 703, das kurz beschnit-tene Satzglied (die Reihe). Aber kurz oder lang, immer soll dieRede koloriert werden 744. Als Beispiel für Wiederholung wirdS. 937, 1281 ff., aufgestellt: Est papae leges sacras dictare,minorum Praescriptum juris formam servare, sed errant Quam-plures, Quorum te Papa redarguit error. Parcis, non punis,enormia lucra sequentes. Illicitum fendunt et emunt sine cindiceculpae. Papa potens, cujus non est breve posse memento Fin-dictae. ilfansuete pater quandoque mucronem Exime; si dormitcindicta, pagabitur errans usw. Dann folgen weitere Alli-terationen wie laboro, laterem, lavo, lege, legetur, und Wieder-holungen wie posse . . posse; summi . . . summum; ponere quodponi disponit, tollere tolli quod statuit, velle quod vult, odisse quododit ... V 1281 ff. Ähnliche Proben gibt auch Eberhard vonBethune in seinem Labyrinth (s. oben S. 7). Hier also das gleicheBlümungsprinzip wie bei Rudolf. Wie nahe aber die BeziehungenRudolfs zu der lateinischen Rhetorik sind, das zeigt sich darin,daß er solche Motive stilistisch hervorhebt, die auch Galfrid zuschmücken empfiehlt. Es sind Darstellungen des Schmerzes (Galfr.365ff. 1620ff.), der weiblichen Schönheit (569ff.), der Liebe(545 ff.), des Glanzes (candidus, candor 1651 ff. 1665 ff., vgl.Rudolf: lieht), Jugend und Alter (682ff., vgl. Rudolf im g. Gerh.1611 ff.), Rat (consilium 1683ff., Rud. g. Gerh.raZ 4361 ff., 5383ff.).Bei der Ausmalung der Liebesszene treffen beide sogar in Einzel-vorstellungen zusammen: Unicus astringit duo pectora nodus amorisGalfr. 545 = von zwein üben einen kund in diu liebe machen g.Gerh. 4736f.; Oscula praefigit os ori547 = ir minne wac von rotemmunde an röten munt kus gegen küsse tüsentstunt 47924794 (vgl.46904696); cingit utrumque Mutuus et stringit amplexus 547 f.= senfter umbevanc 4766, den minneclichen umbevanc 4848, der künicnam die künegin . . an sinen arm, er druhte an sich . . den süezen lip4671 ff., vgl. 4724f.; weinen Galfr. 548-550, g. Gerh. 4587-4589.4735.