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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. 65

mungslebens, Freud und Leid, den Höhepunkt der Erzählung bildetdas Leiden und die Erlösung der Gefangenen, in der inneren Er-regung spielen sich die Ereignisse ab, es ist das Hin- und Herwogender Gefühle, der Kampf der Freude mit dem Leid und ihr end-licher Sieg. Nicht aus der großen allgemeinen dualistischen Welt-idee des Mittelalters geht dieser Gegensatz hervor, sondern ausder Lebensstimmung eines begrenzten Standes. Es ist die Senti-mentalität der höfischen Gesellschaft, beruhend in der Pflege desHerzens, der Beobachtung des Gefühlslebens. Sehr zahlreich sinddie Antithesen vrö, vreude, liebe, herzeliebe, tröst, sselde, lachen,gegen leit, herzeleit, klage, jämer, swsere, weinen, trüren, senen, z. B.1546-1554. 1565-1*567. 2301-2303. 2375. 2439-2442. 2476 bis2487. 2755-2761. 3202. 3223f. 3491. 3845f. 4049-4056. 4084bis 4096. 4549 f. 46044881. Das dogmatisch-theologische Momenttritt in dieser moralischen Novelle zurück. Ein ethischer Gegen-satz besteht zwischen der weltlichen und himmlischen Macht, demKaiser dem man mit dem Leibe, Gott dem man mit dem Herzendient; Gott gewährt mit güete, der Kaiser vorsagt mit haz 1003bis 1052. (Über Antithesen im Barlaam vgl. Krüger S. 11 ff., imWillehalm vgl. Henrich S. 259-261).

Sehr leicht boten sich Rudolf gleich anlautende Wörter,besonders solche mit w, und er hat die Alliteration auch gewißmit Absicht als Kunst mittel verwendet. So im g. Gerhard bei derSchilderung der Seefahrt 1208-1243 (sie ist Tristan 2399ff. nach-geahmt) und wolle wider wenden, mir was mit manegen enden mindinc so gar ze wünsche homen daz mir niht fürbaz mohte vromenein wünsch in dem ich solle erdenken swaz ich wolle, min wille wasso volbräht. . . Nu wände ich daz der wille min . . mit ungewiterwinde vil . . daz wir die wile gewunnen wintstille nie . . . die wildein der wir wären, begund daz weter linden nach den vil starkenwinden. Ferner z. B. got-güete-gerte 1043f., der edele werde wigant1343 u. ö., wunder wunschlich wünsche 16491651, werendes willen1657, wisiu wort-wisheit-an witzen 23332335, ger-guote-geltes-geltent 23682371, sitzen an die siten sin 3287, an sinen schoenenliden schein 3734, üf des wilden wäges fluot 3966, wilde-warf-wint3999 f., wdn-wachende 4635 f., lange erliten 4728, liute-lant-löstest6369 f. usw. 1 Ein stark mit Alliterationen verkünsteltes Stück

1 Manche dieser Stellen erinnern unmittelbar an die ästhetischen Klang-wirkungen des modernen Impressionismus, wie sie z. B. Hofmannsthal mitvirtuoser Pracht anwendet.

Ehrismann, Studien über Rudolf von Ems. 5