Studien über Rudolf von Ems. 61
Vierreim); vgl. auch 2935—2966 (sselde, wünsch, leit, vreude). —
3. Reflexion über die Minne 3011—3048: minne 3013. 19. 21(2mal), 22. 25. 26. 28. 33. 36. 39. 40. 43. 44, herze 3016. 18. 20. 48,leben 3016. 18. 31, liep 3023. 27. 29. 30. 31.32.38.48. - Ganz über-schwenglich mit den üppigsten Redeblumen verziert ist dasstärkste Virtuosenstück des Gedichtes, das Wiedersehen der beidenLiebenden 4607—4809: hier kommt von 4605-4809 42 mal liep(mit Ableitungen), lOmal minne, 17mal vreude, llmal (abge-sehen von den zahlreichen Zusammensetzungen) herze vor, darananschließend die Liebessehnsucht 4823—4857 mit senen 24mal. —
4. Erhaben ist auch die Sprache in dem Gebet des Kaisers 300bis 484, das bis 446 in einer Darlegung der christlichen Lehrein der Gestalt einer Summa theologiae besteht. Die,hauptsäch-lichen Schlagwörter sind hier drivaltic und dri, kraft, lop, leben,menschlich, menscheit, und in diesen Worten sind eben die Zentral-gedanken des Inhalts markiert: die drei Kräfte der Trinität, derPreis des Vaters, der lebenspendende Geist, der menschgewordeneSohn. Ebenso tritt der Kernbegriff in der Bitte der um Er-barmen flehenden Prinzessin, die Berufung auf die jungfräulicheMutter 2231—2262, die muoter maget, durch Wiederholung dieserWorte scharf hervor.
In den vorhergehenden, reicher geschmückten Stellen lag einstarker Gefühlswert, der Inhalt löste beim Dichter kräftigerekünstlerische Formen aus und diese erhöhen beim Leser oderHörer die Gefühlswirkung. Das Pathos der Worte und auch derakustische Klang, der in der Wiederholung liegt, sind die Haupt-mittel, um den ästhetischen Eindruck zu erzielen. Man kann dieseArt, die auf das poetische Gefühl, auf Erhebung des Gemüts, aufErweckung von Rührung oder Bewunderung berechnet ist, diemalende 1 Wiederholung nennen. Einen andern psychologischenUrsprung hat die verdeutlichende Wiederholung 2 : ein Wortwird deshalb mehrfach wiedergegeben, weil der Begriff stark be-tont und als wichtig bezeichnet werden soll, eine intellektuelleWirkung soll erzielt oder auf die Vorstellung und Anschauunggewirkt werden, nicht auf das Gefühl. Das Wort guot (güete)wird in bezug auf Gerhard 794—799 dreimal, 817—824 viermal
1 Vgl. dazu Behaghels Beobachtungen über die Wiederholung dergleichen Vorstellungsreihe, a. a. O. bes. S. 558f. - Eine andere Art „malen-der" Wiederholung bespricht Behaghel S. 516ff.
2 Vgl. Behaghel S. 556.