Druckschrift 
Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48 Gustav Ehrismann:

ist der Grundstock des christlichen Dogmas und der Anfang derin den theologischen Summen niedergelegten Glaubenslehre, d. i.des Glaubensbekenntnisses. Die drei Personen sind in ihrenWesenseigenschaften nach der Formel Abälards als Macht, Weis-heit, Güte, aufgefaßt.

a) Wolfr.Wh.1,1-1,18. Die Trinität: die Eigenschaft des Frei-seins von Nichtdazugehörendem, puritas 1, l 1 ; trinitas et unitas 1,2; Gott als Schöpfer, allmächtig (über alle geschaft) 1, 3; seine un-veränderliche Kraft 2 1,4 ist ewig und unermeßlich, ein Sein ohneAnfang und Ende 1,4.5; Gott und Mensch: Gott als Vater,der Mensch als Kind 1,8». 1618; Gottes Majestät 1, 9 4 ; Bitte

1 Unter Äne valsch du reiner ist Gott als reine Form zu verstehen, diereine Wirklichkeit ohne Beimischung von etwas Falschem, d. h. Nichtdazu-gehörenden, der actus purus des aristotelisch-scholastischen Gottesbegriffes,die puritas divinae substantiae des Petrus Lombardus (Sent. I Dist.VIII, 9), das esse purum des Alanus,das absolut einfache Wesen",dasschlechthin und unveränderlich Seiende" (M. Baumgartner, Die Philosophiedes Alanus de Insulis, Bäumker und v. Hertlings Beitr. II, H. 4, S. 121 ff.),das gleiche wie Abälards aus Boethius geschöpfte nihil esse in Deo quodDeus non sit (Deutsch, Abälard, S. 199, auch in den Sentenzen des PetrusLomb. a. a. O.). Purus ist = rein,frei von jedem Accidens". Ingleichem Sinne wird es auch angewendet in dem Hymnus de S. Trinitatebei Mone, Hymnen, Bd. I Nr. 2 .S. 4 v. 5 tu puritas, von Meister Eckhart:als er (Gott) ein lüter pur klär ein ist (Pfeifer S. 320, 29f.). Gottist als absolute Einfachheit und Einheit (indivisus, Mone S. 15, 30, in sim-plici substantia S. 4, 3) passend an den Eingang der Trinität als die Trinitaset Unitas (Trinitatis unitas) gestellt. Aber der zunächst dogmatische Grund-gedanke der reinen Substanz ist in den Worten äne valsch, reiner im Sinnevon falschloser Reinheit in den Bereich des Ethischen erhoben. In der Ein-leitung zum Willehalm gibt Wolfram einen kurzen Abriß der Trinitätslehrein der zu seiner Zeit herrschenden Auffassung, die hauptsächlich durch Abä-lard und dessen Trinitätsformel (Macht, Weisheit, Güte) bestimmt ist (zurAufnahme derselben in die mhd. geistliche Literatur vgl. Edw. Schröder,Anegenge, S. 66f.).

2 Vgl. Mone, Hymnen I, Nr. 2, 1. 2. Stsetiu ist unveränderlich, Gottals immutabilis Deus. Kraft ist die schaffende Tätigkeit, das schöpferische,auch künstlerische Vermögen, die kraft Gottes ist seine Eigenschaft als schep-fsere. Im Sinne der Verwirklichung entspricht kraft der hvTzXixsia. des Ari-stoteles, der Form.

3 Der Mensch erlangt die Gotteskindschaft, wenn Gott die verderblichenGedanken von ihm vertreibt, vgl. dazu Parz. IX, 466, 1529, dazu Ztschr.f. d. A. 49, 432f.; auch Parz. III, 119, 27f.

4 Nach dem Anfang des Athanasianischen Symbolums, vgl. WalthersLeich 3, 6: ein Got der hohe here und Wilmanns Anmerkung zu Walther 3,6-8.