Studien über Rudolf von Ems. 47
sich seiner guten Handlungen nicht rühmen), Schlagwort ruom,dazwischen Weiterführung von guot; III. 25—36 (Lehre aus Iund II: er sol daz rüemen läzen sin), das Schlagwort guot herrschtweiter. Diese allgemeine Morallehre ist zugleich die Idee desGedichtes. — Der zweite Teil, B, 37—76 (mit etwa der doppeltenVerszahl von A), der spezielle Fall, bildet die Anwendung auf dasGedicht selbst. B ist die summarische Inhaltsangabe mit Intentio(Ideengehalt) 42—49, Materia (Stoff) 50—76 und durchgehenderCausa finalis (Zweck). Die Intentio und Materia sind ausgeprägtdurch die Schlagwörter ruom, lop, prls (die Materia ist eben diezur Erscheinung gewordene Intentio, die symbolisierende Ein-kleidung, darum gelten für beide die gleichen Schlagwörter), dieCausa finalis durch lere.
Die ganze Einleitung hat ausgesprochen ethischen Charakter,das Persönliche tritt ganz zurück, nur als Vermittler der Erzählungund als Lehrer tritt der Dichter mit seinem Ich auf 42—55. Da-gegen sind die üblichen Prologteile in den Epilog 6809—6928verlegt, dessen Inhalt ist: I. Vorgeschichte des Buches und Ver-anlasser 6809—6838; Zweck (Gunst der werden Hute) 6839—6852;an die Kritiker, mit Entschuldigung der unkunst, 6853—6880;Moral des Gedichtes (intentio) 6881-6909. Schluß: Bitte an dieLeser um Segenswunsch; Zweck: ze kurzwlle 6910—6920; Ver-sprechen der Besserung für etwaige Mißgriffe im Gedicht 6921bis 6928. Gegen das Ende ist die Form gehoben durch Reihengleicher Reime: 6909-6912 (zwei Paare), 6921-6928 (vier Paare).
Die religiösen Prologe Rudolfs.
Die Prologe zum Barlaam und zur Weltchronik habenreligiösen Inhalt und sind nicht nach den Regeln der Rhetorikgebaut, sondern es sind Preis- und Bittgebete an die Dreieinigkeit.Augustinus schreibt in der Doctrina christ. IV, 30 vor, daß wervor dem Volke sprechen oder etwas abfassen will, das vorgetragenoder gelesen werden solle, Gott bitten soll, daß er ihm einegute Rede auf die Zunge lege.
Für diese Eingänge sowie für das im ersten Teil des g. Gerhardverwandte Gebet des Kaisers (300—484) hat Rudolf den Pro-log von Wolframs Willehalm zum Vorbild genommen (zumInhalt vgl. auch das Religionsgespräch in Wolframs Wh. 215,10 ff.) 1 . Dieser enthält einen Preis der Dreieinigkeit. Die Trinität
1 Ritter S. 19.