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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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18
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18 Gustav Ehrismann:

Felicitas, die wilde saslde ist die Fortuna, das Fatum 1 . Den Unter-schied bezeichnet Augustinus De civitate Dei IV, 18: fortunapotest esse et mala, felicitas autem, si mala fuerit, felicitas nonerit. . . felicitas illa est, quam boni habent praecedentibus meritis;fortuna vero quae dicitur bona sine ullo examine meritorum for-tuitu accidit hominibus et bonis et malis unde etiam fortunanominatur. Also: fortuna gelücke, die wilde saslde, kann auch Übelbringen, es ist das Fatum, das planlose Schicksal, das Gute undBöse trifft und nicht dem Sittengesetz untersteht; felicitas, dieslsete sselde, kann nicht zugleich gut und auch schlimm sein, sieist die sittliche Kausalwirkung für gute Taten. Darum hat Alexan-der die stsete saslde, denn sie ist eine Errungenschaft seiher Weis-heit 20552 und seines starken Willens 20562; und er gehört zuden Guten, er ist ja der tugentriche (43. 71) und wird vom Dichterden tumben und den wisen (51 ff.) als ein leuchtendes Beispielritterlicher Tüchtigkeit (44) vorgehalten. Diese sselde ist eineGnadengabe Gottes, und ein solches wahres Glück, ist das Dichter-glück, die große, beseeligende Freude, die von Gott stammendeinnere Offenbarung (sin) den Menschen mitteilen zu können (diebeste kunsi) und von ihnen verstanden zu werden (der weite gunst),die eben nur Gott verleihen kann. Das gelücke kann man nichtan sich fesseln 20633 f., denn es geht balde an und abe und istvil selten veste 20626f.; aber die saslde, die staste saslde ist demerreichbar, der in stetem Streben um sie ringt (2063520640),denn sie ist ja ein Akt des sittlichen Lebens. Allerdings macht derDichter eine Einschränkung durch und harte vil und lihte allermeist, und noch weniger zuversichtlich drückt er sich im Anfangs-prolog über die dichterische saslde aus, denn er sagt, den Erfolgder Kunst kann man nicht erzwingen (1324). Das aber jeden-falls ist der Schlußstein dieser ritterlichen Morallehre, daß derWille die treibende Seelenkraft ist und das Handeln die Gestal-tung des Lebens bedingt, und die höfischen Helden, vor allemAlexander, sind praktische Musterbeispiele für diese Philosophiamoralis. Die theologische Moral ist in diesen Romanen aus-geschaltet, sie würde eine noch stärkere Einschränkung des mensch-lichen Willens enthalten, sie würde etwa lauten: non volentisneque currentis sed miserentis est dei, Alles schreiben wir Gottzu, der den guten Willen des Menschen vorbereitet und unter-

1 Über den Fatalismus in der abgehenden Zeit des 13. Jahrhundertss. Roethe, Reinmar, S. 193.