119
§ 4. Peter Schoeffer zu Basel und Venedig, sein Tod.
Im Jahre 1539 verliess Peter Schoeffer Strassburg und scheintsich kurze Zeit in Basel aufgehalten zu haben. Thomas Plater sagtin seinem Tagebuch: „Dazumal war ein gar feiner Künstler von derDruckerei, Peter Schärfer, aus welchem Geschlechte die Druckerei zuMainz erfunden ist, der hatte fast allerlei Schriften Punzen, der gabmir Abschläge und goss mirs, etliche goss mir Meister Martin" jc. ')Da Thomas Plater sich in Basel aufhielt, ist es wahrscheinlich, dassPeter Schoeffer dessen Bekanntschaft dort machte, aber auch nichtausgeschlossen, dass das Bekanntwerden bereits zu Strassburg erfolgt.Es scheint, dass Peter Schoeffer die Gründung einer Druckerei zuBasel, dieser Metropole des Buchdrucks um 1539 — 1540 vorhatte, aberbald weiter zog, da er in Venedig mit seinen blühenden DruckereienErfolge hoffte. Seine Anwesenheit in Basel steht urkundlich nicht fest,die Jahre 1539—1541 sind in Peter Schoeffers Leben ein unbe-schriebenes Blatt, die Anwesenheit in Basel hat jedoch so viel Wahr-scheinliches für sich, dass dieselbe gelten kann. Spuren einer Wirk-samkeit in Basel als Buchdrucker sind, das Wirken für Thomas Platerausgenommen, nicht vorhanden. Im Jahre 1541 taucht Peter Schoefferin Venedig als Buchdrucker für einen Verlag auf und lieferte zweiweitere Drucke 1542 in Venedig. Auch hier blieb er seiner anti-kirchlichen Gesinnung getreu. Seine beiden Bibelausgaben in latei-nischer Sprache zieren den Index der verbotenen Bücher, auch eineLullusausgabe verdankte dieser Richtung ihre Entstehung. Damit hört1542 jede Nachricht von Peter Schoeifer auf, so dass die Annahmeberechtigt ist, dass er in diesem Jahre zu Venedig starb und auchdort begraben wurde. Peter war zweimal verheirathet, in erster Ehemit Katharine, deren Geschlechtsname unbekannt. Sie kommt 1511bis 1512 mit ihm vor und starb vor 1530 wahrscheinlich in Worms.Seine zweite Frau war seit 1530 die Strassburgerin Anna PfintzerinWittwe, deren Familienname und Schicksale auch nicht auf uns ge-kommen. Aus erster Ehe soll Peter Schoeffer einen Sohn Ivo gehabthaben, der 1531 das Geschäft Johann Schoeffers in Mainz übernahmund bis zu seinem Tode 1555 weiterführte, ein Verhältniss, das nochnicht hinreichend aufgeklärt ist. Ob aus erster und zweiter Ehe weitereKinder vorhanden, ist unbekannt.
1) Faulmann, illustrirte Geschichte der Buchdruckerkunst. Wien 1882.S. 327. Die Ausgabe des Originaltagebuchs des Thomas Plater konnte ichso wenig, als das Buch: Thomas Platters Briefe an seinen Sohn Felix ed.Achilles Burckhardt, Basel 1890. Octavo. benutzen. Thomas Platers BaselerDrucke beginnen mit 153t>, er druckte zuerst mit Balthasar Lasius, dann mitOporinus zusammen. Vgl, Klemm, Catalog S. 230 u. 232. — Panzer, AnnalesVI, 316 — 318.
119