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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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Urtheile der Kunstforscher.

Bemerkenswerth ist die vorwiegend herbe Beurtheilung, welche die Quirinus-kirche bei den Kunstgelehrten bis auf den heutigen Tag gefunden hat.Aus derganzen Anordnung erkennt man", so sagt Essenwein, ,,dass der Meister dasBausystem als ein oft angewandtes vollkommen kannte, dass er aber in Erman-gelung der Originalität im Ganzen durch willkürliche Formen des Einzelnen seineMeisterschaft zu bethätigen suchte, und die Unregelmässigkeit der Arkaden-anordnung, falls sie nicht in äusserlichen, jetzt nicht mehr zu erkennenden Gründenihre Veranlassung hat, zeugt von grosser Nachlässigkeit der Komposition, zugleichaber auch von Meisterschaft in der Handhabung des Systems." ')Die Quirinus-kirche", so heisst es bei Otte,ist wie Gross St. Martin ebenfalls eine Nach-ahmung von St. Aposteln in Köln, worin nach der Meinung des Meisters dasVorbild durch allerlei gesuchte und phantastische Künsteleien noch übertroffenwerden sollte, und daraus ist ein Bauwerk entstanden, das, den herrlichen Westbauausgenommen, in seiner Gesetzlosigkeit wie kein anderes von der damaligen Ver-lebtheit des niederrheinisch-romanischen Styles ein sprechendes, wenn auch inseiner Art glänzendes Zeugniss ablegt." 2 ) Nicht minder scharf urtheilt Dohme inseiner jüngst erschienenenGeschichte der deutschen Baukunst":Die Anlage,zeigt nach dem Muster von St. Maria im Kapitol drei Konchen im Chor undeine achteckige Kuppel über der Vierung; im Westen ein breiter Anbau, der sichwie ein zweites mächtiges Querschiff ausnimmt. In Einzelnem strotzt der Bauvon technischen Unregelmässigkeiten und dekorativen Willkürlichkeiten in solchemMaasse, dass die Vermuthung sich kaum abweisen lässt, der Meister habe derartigeAbweichungen von der Regel absichtlich aufgesucht. Hat er doch auch in der Formseiner Fenster das Absonderlichste geleistet und eine Westfront geschaffen, wie sienirgends wiederkehrt. Wie barock aber auch Wolbero's Kunst sei, diese gewaltigeWestfagade gerade mit ihrer wirkungsvollen und glänzend reichen Gliederung, ausderen Baumasse der einst in schlanker Pyramide geschlossene Thurm aufsteigt,sichert seinem Werk einen Platz unter den ersten Denkmalen des Rheinlandes." 3 )

Dass die Unregelmässigkeiten, welche die Quirinuskirche aufweist, von ihremErbauer absichtlich aufgesucht worden seien, ist eine durch nichts erwiesene Be-hauptung, der es auch an jeder inneren Wahrscheinlichkeit gebricht. Offenbardurch äussere Gründe veranlasst, zeugt die geschickte Lösung im Gegentheilgerade von der grossen Meisterschaft des Architekten. Dieselbe dokumentirt sichin der gewaltigen Westfagade, nicht minder aber zeigt sie sich in dem Ostbau

') Essen wein a. a. O. Seite 50.

2) Ölte a. a. O. Seite 376.

3) Dohme a. a. O. Seite 132.