Druckschrift 
Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

-------- 22 -------

Emporen sich erhebenden Westthürmchen; die Emporen sind auch ohne sie imStande, den hier angreifenden Gewölbeschub aufzunehmen und zu übertragen. Indieser Anordnung eines von vier Eckthürmchen flankirten Vierungsthurmes nimmtQuirin eine Ausnahmestellung ein. Die Anlage von zwei östlichen Flankirthürmenwar die übliche. Als Beispiele seien genannt Laach, St. Apesteio^Roermond. InVergleich zu setzen in Bezug auf die vierthürmige Anlage ist an gleichzeitigen Bautennur St. Martin in Köln; vorgebildet erscheint sie jedoch schon zu Ende des 4. Jahr-hunderts in St. Lorenzo zu Mailand. Während die Eckthürmchen sonst dem Vierungs-thurm an Höhe gleich kommen oder ihn noch überragen, treten dieselben hiergegen den Vierungsthurm weit zurück. Dekorativ ist die ganze Anordnung vonhohem Reize. In Höhen- und Breitenabmessungen wohl abgestimmt zu den Ver-hältnissen des Vierungsthurmes, sich harmonisch mit ihm verbindend zu einemwirkungsvollen Gesammtbild, dienen die Eckthürmchen zugleich dazu, die wenigschönen Mauerschrägen, welche den Uebergang aus dem Viereck in das Achteckvermitteln, zu verdecken. Es wird dabei ausserdem eine gute Verbindung zwischenden am Vierungsthurm zusammenlaufenden Dachböden gewonnen. Das Aeusseredes Kuppelthurmes wird in seiner Wirkung etwas beeinträchtigt durch die schonbesprochenen Fensterformen; auch das Zusammenfassen der Kuppel- und Giebel-fenster in einen gemeinsamen Rahmen und damit zusammenhängend das Fehleneines Hauptgesimses macht einen ungewohnten und bei den schönen Gesammt-verhältnissen etwas störenden Eindruck. Das Dach des Kuppelthurmes soll beider demnächstigen Restauration die in der Abbildung (Fig. 11) angegebene Formerhalten.

Langhaus und Kapellen.Von auffallender Schlichtheit sind die Architekturformen des Langhauses.Der verschiedenartigen Fenster geschah bereits Erwähnung. 1 ) Die Ausbildung der'Portale erhebt sich nicht über das gewöhnliche Niveau; in der übrigen, nur aussparsam angeordneten Lisenen und Bogenfriesen bestehenden. Dekoration wijddasselbe kaum erreicht.

Westb au.Im Gegensatz zu dieser Schlichtheit steht der Reichthum, mit dem derWestbau (Fig. 12) geschmückt ist. Derselbe legt sich als mächtiger Querbau in derHöhe des Mittelschiffes vor das Langhaus. An der Süd- und Nordseite (Fig. 10 und 11)wird er durch einen mit Rosettenfenstern versehenen Giebel in der vollen Fagaden-breite abgeschlossen, während an der Westseite ein Giebel von fast gleicher Höhe,

J ) Das oben (Seite 16) erwähnte Rosettenfenster im Ostjoche der Seitenschiffe dient zur Beleuchtungder Emporentreppe und ist von Innen (vergl. Grundriss Fig. 5) nicht sichtbar. Das westlich sich anschlies-sende Fenster, ist, wie dies Fig. 10 und 11 zeigen, entsprechend den anderen Seitenschifffenstern, also nichtin der Fig. 9 dargestellten Form eines Rosettenfensters gebildet.