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bedeutender Höhe emporzuführen, keine Schwierigkeiten. Solche entstanden erst,als man dem Problem der Mittelschiffwölbung näher trat. Bei dem Kreuzgewölbe,welches den Druck auf einzelne Theile konzentrirt, genügt es, diese als Widerlagerentsprechend stark zu machen. Dieser Zweck wird durch den Strebebogen mitdem geringsten Aufwand erreicht. „Dieses einfachste und wirksamste Hilfsmittel",sagt von Bezold, „wurde in seinem vollen Werthe von der romanischen Bau-kunst nicht erkannt, und wenn es erkannt worden wäre, muss dahingestellt bleiben,ob sie von ihm einen ausgedehnten Gebrauch gemacht hätte. Der äusserlich zuTage tretende Strebebogen steht mit dem ganzen Wesen des romanischen Aussen-baues, welches in klarer Scheidung und ruhig harmonischer Gruppirung besteht,in unlösbarem Widerspruch. Sie hätte mit einem Hilfsmittel, das in seltsamsterWeise das streng Rationelle zur Hervorbringung eines phantastisch - dekorativenEindrucks benützt, nichts beginnen können. Man half sich im Allgemeinen mitanderen Mitteln. Das erste und früheste sind die Emporen." 1 )
Dieselben ermöglichen es, in Gurtbögen und Gewölben dem Schübe desMittelschiffgewölbes das Widerlager in grosser Höhe entgegenzusetzen. Die reicheBelebung der Mittelschiffwände, der wirkungsvolle Wechsel von Licht und Schatten,der ohne besonders hohe Kosten erzielte Gewinn an Raum: alles dies sind weitereVorzüge dieser Konstruktionsform. 2 )
Sowohl im Erdgeschoss wie in den Emporen besitzen beide Seitenschiffekapellenartige Ausbauten von zwei Jochlängen und einer Jochbreite. Die südlicheKapelle heisst Muttergottes-, die nördliche Mathiaskapelle. Die Kapellen des Ober-geschosses, welche mit den Emporen auf gleicher Höhe liegen, haben keinen be-sonderen Namen. Der Umstand, dass die Kapellenausbauten nicht zusammen-fallen mit der Mittelschifftheilung, scheint, wie unten noch des Näheren begründetwird, ebenso wie die ungleiche Axentheilung mit der Beibehaltung und Benutzungälterer Reste in Zusammenhang zu stehen.
Westbau.Der Westbau, dessen östliche Begrenzung durch zwei kräftige Pfeiler markirtist, wird gegenwärtig durch einen zopfigen Orgeleinbau 8 ) so vollständig eingenom-men, dass seine schöne Architektur fast gänzlich verdeckt ist. Dieselbe wird aberdurch die von dem Regierungs-Baumeister Julius Busch geplante Beseitigung derOrgel und Erbauung einer kleineren, dem Styl der Kirche sich anpassenden West-empore wieder zur gebührenden Geltung kommen. Wie aus dem Grundriss er-
') von Bezold „Die Gewölbeformen und Gewölbesysteme der romanischen Baukunst". (Wochen-blatt für Baukunde, 9. Jahrg. 1887, Seite 21.)
2 ) Sie verschwand mit dem siegreichen Vordringen der Gothik; erst die Renaissance griff sie wiederauf. Ein frühes Beispiel dieser Art bietet die 1590 begonnene Petri- (Jesuiten-) Kirche zu Münster.
8 ) Die jetzige Orgelbühne wurde im Jahre 1779 errichtet. Tücking a. a. O. Seite 99.