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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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Limburg a. d. L. ist die Thurmlösung der von Neuss kaum ebenbürtig; nur dieAbteikirche zu Werden a. d. R., welche nach einem Brande in den Jahren 1255bis 1275, und zwar noch in der Formgebung des spätromanischen Stylcs erbautwurde, ] ) weist gegenüber Neuss einen Fortschritt auf, indem hier durch schlankereBildung der Arkaden im obersten Thurmgeschosse in Verbindung mit einer denumrahmenden Architekturlinien sich besser anpassenden Fensterform eine ungleichgrössere Wirkung gewonnen ist.

Auf deutschem Boden besitzen wir in Neuss und Werden_ den Endpunktdieses Thurmsystems. Die Gothik hat sich an dieser Aufgabe kaum versucht.'-)

Chor und Querschiffarme legen sich symmetrisch der Vierung an. Ihre Wändesind in zwei Geschossen durch Säulenstellungen gegliedert. Auf den Bögen derunteren liegt der Gang, welcher hinter den östlichen Vierungspfeilern an denWänden entlang führt. Die Säulen des Obergeschosses mit ihren Bögen bildenwieder ein nach Innen gezogenes Strebesystem in derselben Anordnung, welcherwir bereits beim Thurm begegnet sind. Die untere Bogenstellung bildet keinenzusammenhängenden Gang, da dieselbe in den Thurmeckcn nur vorgeblendet ist.In den Apsiden treten aber die Säulen frei vor, so dass auch dort halbrunde schmaleGänge vorhanden sind. Neuss bildet in dieser Beziehung eine Mittelstufe zwischenGross-Martin zu Köln, welches im Untergeschoss nur eine Blendarchitektur hat,und der Ostparthie von Maria im Kapital sowie dem Chore des Domes zu Münster,wo diese Umgänge zu vollständigen Nebenschiffen ausgebildet sind. Als eineEigenthümlichkcit der Neusser Kirche ist noch hervorzuheben, dass die in derBreite der Nebenschiffe zwischen Vierung und Apsiden eingelegten Joche mit jezwei im Stich gewölbten Tonnen überspannt sind, deren Zwischengurt sich auf dievorhinerwähnte obere Säulenstellung aufsetzt. Der Architekt hat dadurch, wennauch nicht ganz organisch, die neben den östlichen Eckthürmen angeordnetenFenster der Innenarchitektur eingegliedert. In dieser direkten Lichtzuführung anjener Stelle steht Neuss einzig da. Im Erdgeschosse haben die Fenster kleeblatt-förmige Deckbögen, im Obergeschoss sind sie einfach rundbogig geschlossen.

Die zwischen Vicrungsthurm und Apsiden eingespannten Gewölbe dienen auchkonstruktiven Zwecken. Wie ein Blick auf Fig. 7 zeigt, werden durch dieselben dieam Fusspunkte der Gewölbezwickel des Vierungsthurmcs auftretenden Schubkräfteaufgenommen und durch die Conchengewölbe auf die Aussenwände der Apsidenübertragen. Nach der Langschiffseite hin verhindern die Kreuzgewölbe ein Aus-weichen der Vierungspfeiler; eine gleich unmittelbare Aufnahme und Ueberleitungder Schubkräfte, wie nach den Apsiden, liess sich hier nicht erreichen.

') Stüler und Loh deDie Abteikirche zu Werden an der Ruhr". Zeitschrift für Bauwesen.Berlin, 1857. [Auch als Sonderabdruck erschienen.]

2 ) Bauten, wie die Liebfrauenkirche zu Trier, müssen, weil einem ganz anderen Formkreise an-gehörend, hier ausser Acht bleiben.