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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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fest geordnete staatliche und kirchliche Formen eingefügt hatte, war die Zeit ge-kommen, in welcher die in den germanischen Völkern schlummernden Kräfte sichzur reichsten Blüthe entfalteten.

Dunkel sind die Nachrichten, welche aus jener Zeit über Neuss uns Kundebringen. Auf dem Boden des Haupthofes, welcher von dem alten Römerorte denNamen Neuss aufnahm und den Mittelpunkt des neuen Gemeinwesens bildete, sollschon früh eine Marienkapelle entstanden sein. Die Zeit ihrer Gründung istnicht bekannt, doch galt sie als die älteste christliche Kultusstätte der um jenenHof sich ansetzenden Gemeinde und als die erste Pfarrkirche des Ortes. ] )

Neben ihr entstand um die Mitte des 9. Jahrhunderts zu Neuss eine Nieder-lassung von Benediktinerinnen, aus welcher sich später das Stift zum hl. Quirinusentwickelte. Die Gründung soll nach einer ehemals in der Quirinuskirche befind-lichen Gedenktafel durch einen Grafen Everhard von Kleve und dessen GemahlinBertha schon im Jahre 825 erfolgt sein. Die wissenschaftliche Forschung hat denUngrund dieser Ueberlieferung überzeugend nachgewiesen. Weder die Jahreszahlnoch die Bezeichnung des Everhard als Grafen von Kleve kann zutreffen. La-comblet vermuthet, dassKesle" stattKleve" zu lesen sei 2 ) und auch Tückingschliesst sich dieser Ansicht an. Die Grafen von Kessel hatten in der Gegend vonNeuss ansehnliche Besitzungen und Rechte, und ihre Vorfahren waren somit wohlin der Lage, ein Kloster zu dotiren. Für die einflussreiche Stellung, welche sieeinnahmen, spricht insbesondere der Besitz der Vogtei, von welcher sie erst 1271einen Theil an den Erzbischof Engelbert IL verkauften, den anderen, zwischenNeuss und der Niers, später dem Grafen Sifried von Widegenstein (Wittgenstein)als Lehen auftrugen. Eben dieselben Grafen von Kessel waren auch Vögte derAbtei Gladbach. Die nahen Beziehungen aber, in welchen diese Abtei längereZeit zu dem Neusser Nonnenkonvent stand, dürfte sich am einfachsten darauserklären, dass bei der Dotation beider dasselbe Grafenhaus betheiligt war. 8 )

vorstand. Von ihm wird berichtet, dass er nicht nur bei der Kapelle des hl. Lupus an der Nordseitedes alten Köln 12 Almosenbrüder zu einer geregelten Almosenspende einsetzte, sondern einzelne auch beiKapellen auf dem Lande, wo er Tafelgüter besass, anstellte. Und so sandte er auch nach Neuss einensogen. Lupusbruder." Der Hof, dessen Einkünfte diesem Lupusbruder überwiesen wurden, war ohneZweifel eine Schenkung des Frankenkönigs Dagobert an diesen Bischof; es liegt, da dieser Hof späterzur Dotation der Regulirherren gehörte, nach Tücking die Vermuthung nahe, dass die Sendung des Lupus-bruders zur Gründung jener Magdalenenkapelle gehört habe, an deren Stelle gegen Ende des 12. Jahr-hunderts die Kirche und das Kloster der genannten Genossenschaft erstand. Nach einer Tradition desKlosters soll erst unter Pipin von Heristal durch den Bischof Altwin um 690 ein alter Bacchustempel ineine Kapelle umgewandelt worden sein.

! ) Tücking a. a. O. Seite 2.

2 ) LacombletArchiv für die Geschichte des Niederrheins", II. Band. Düsseldorf 1857. Seite 321.(Die letzten Spuren des fränkischen Saalhofes zu Neuss.)

*) Cleing a. a. O. Seite 6.