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eine übertriebene Werthschätzung der Leistungen ihrer Hel-den zeigen. Diesen Fehler haben sie mit sehr vielen Bio-graphien von Grössen aus anderen Gebieten der mensch-lichen Thätigkeit gemeinsam; und er lässt sich psychologischleicht erklären aus dem Egoismus unserer Natur.
Ein ungleich wichtigerer, der grossen Mehrzahl philo-logischer Biographien gradezu verhängnissvoll gewordenerUebelstand war es, dass man den Schwerpunkt in die Schil-derung des Lebens und des Charakters der bezüglichen Ge-lehrten legte, statt in die Darstellung ihrer wissenschaftlichenLeistungen, oder doch diese mit jener unleidlich verquickte.
Was zunächst die äusseren "Verhältnisse der Philologenseit der Renaissance betrifft, so mögen die persönlichen Schick-sale der Gelehrtendes 15., 16. und 17.Jahrhunderts bei demunsteten Wanderleben, der Betheiligung an den politischenund religiösen Wirren Vieler unter ihnen oft ein ebensogrosses, gelegentlich ein grösseres Interesse erwecken alsihre Werke. Seit dem 18. Jahrhundert ist dies, zumal inDeutschland, auf das ich in dieser Schrift besonders Rück-sicht nehme, ganz anders geworden. Bekanntlich kommtes heutzutage dort selten vor, dass ein Gymnasiallehrer zueiner akademischen Stellung berufen wird, was vom wissen-schaftlichen Gesichtspunkte zu billigen, vom pädagogischenvielleicht zu missbilligen ist. Ein Philologe also, der sich nichtdem Gymnasialfach widmen, sondern, um mehr der Wissen-schaft leben zu können, eine Universitätsprofessur erlangenwill, wird in der Regel Privatdocent und erlebt die kleinenFreuden und Leiden des akademischen Microcosmus, biser entweder Professor wird oder, im ungünstigen Fall, dieCarriere aufgiebt. Voilä tout! Grade philologische Docentensind ferner nach der Natur ihrer Disciplin gegenwärtig
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