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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
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83
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Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 83

Nimmt man keine Messer, sondern zugespitzte Stäbe zu einem ganzähnlichen Spiel, so spricht man von Pickpahl 1 , Bickpahl 2 oderFicker 3 . In Solothurn 4 spielen die Hüterbuben Mummelisurrenfolgendermaßen:

Jedem Teilnehmer wird ein gleiches Stück Land zugewiesen.Nun schleudert der erste einen zugespitzten Stab in den Boden.Die andern tun dasselbe und suchen dabei den ersten Stabaus dem Boden herauszutreiben. Derjenige, dem das gelingt,darf solange bis er frisch Atem holen muß, vom Land desBetroffenen Rasen herausschneiden und dem eigenen Land zu-tragen. Um den andern die Kontrolle zu ermöglichen, muß erwährend der Arbeit summen wie eine Hummel. Wird Schlußdes Spieles beschlossen, so muß derjenige, der dann der Be-troffene ist, die herausgeschnittenen Rasenstücke auf seinemRücken und auf allen Vieren an ihren Ort zurücktragen.Das gleiche Spiel heißt im Schwarzwald Messerlesurren 5 . EineAbart dieses Spieles war im Werdenbergischen (Kanton St. Gallen)üblich unter dem Namen Salötla 6 . Dabei warf man nicht mitMessern, sondern mit Haken nach einem Erlenstab, der kurz zu-gestutzte Äste hat. Die Haken sollen an den Astwinkeln hängenbleiben, nacheinander aufsteigend vom untersten Ast an. Wer mitseinem Haken zuerst oben ist, darf sich aus dem Gebiet des Geg-ners Rasen ausstechen. Wer zuletzt am meisten Rasen hat, hatgewonnen.

2. Die steirische 7 Form des Messerspieles heißt Landpecken:

1 Ebenda III 1007; Schumann, Lübecker Spiel- und Rätselbuch S. 91,Nr. 187. 2 Ebenda I 340.

3 Ebenda II 73; niederländisch fijcken: Drost, Nederlandsch Kinder-spel 57 f. 4 Schweizerisches Idiotikon VII 1291.

5 E. H. Meyer, Badisches Volksleben, 1900, S. 60.

6 Mitteilung des Schriftleiters Steinmann im St. Galler Tagblatt, April1923.

7 Ich habe als Grazer Schulkind vor 50 Jahren diese Messerspiele kennen-gelernt und viel geübt. Um die Erinnerung zu prüfen und zu ergänzen habeich mich an den für steirische Volkskunde Berufensten, Prof. Dr. ViktorRitter v. Geramb in Graz, gewendet. Seinen Bemühungen und den Aus-künften der Herren Prof. Dr. F. Weinhardt, Assistent F. Taucher undAmtswart A. Ainhirn, sowie der Frau Gabriele Michelitsch verdanke ichdie obigen Angaben. In Unger-Khull, Steirischer Wortschatz, 1903,S. 460 wird das Spiel auch Messerhackeln genannt. Herr Prof. Weinhardthatte überdies die Freundlichkeit, die Ainhirn-Söhne beim Messerpecken fürmich im Bilde festzuhalten (Abb. 4 u. 5).