82 Eberhard Freiherr von Künssberg:
§ 18. Messerspiel.
1. Rasenstechen. — Messerpecken. — 3. Losen.1. Unter den Messerspielen gibt es einige, die vom kultur-geschichtlichen und auch vom rechtsgeschichtlichen Gesichtspunkteaus Beachtung verdienen. Schon in meinem Buche „Rechtsbrauchund Kinderspiel" 1 hatte ich die Vermutung ausgesprochen, daß ineinem sehr verbreiteten Kinderspiel der Rechtsbrauch des Rasen-stechens weiterleben könnte. Es hat örtlich sehr verschiedene Na-men und mancherlei Abarten. Im Rheinland heißt es Messerchesund seine Regel ist kurz die 2 :
Ein Rechteck wird auf die Erde gezeichnet und in zwei gleiche
Felder geteilt. In jedem derselben steht ein Junge. Einer
nimmt ein Messer und wirft es in das Feld des andern. Wo das
Messer stecken bleibt, wird eine neue Grenze gezogen. Der
Inhaber des andern Feldes muß das Messer nun so werfen,
daß er dem Gegner von seinem Feld abgewinnt. Wer nicht
mehr so viel Boden hat, daß seine Füße stehen können, hat
verloren.
Beim schwäbischen Äckerles-Spiel 3 wird genau gemessen, wie tief
das Messer in die Erde gedrungen und nach diesem Maße darf sich
der Spieler Rasen aus dem abgesteckten Felde schneiden, solange
bis es erschöpft ist. Wem das zuerst gelingt, der hat gewonnen.
In Schleswig-Holstein kennt man das Bültenspiel 4 :
5—10 Knaben sitzen auf dem Rasen und schneiden sich jedermit seinem Messer einen Proppen (Bult) aus. Dann kniet dererste Spieler vor dem Loch des zweiten und schneidet währendeiner Spanne Zeit, in der er „Mudder Ro—o—os" summenkann ohne Atem zu holen, Bülten heraus. So geht es der Reihenach. Zuletzt heißt es: „todecken!" und jeder sucht sein Lochmit dem eingeheimsten Bültenvorrat zu bedecken. Wem dasnicht gelingt, der muß kriechend den Überschuß der andernMitspieler auf dem Rücken nach einem Mal tragen. Läßt erBülten fallen, wird er damit beworfen.
1 Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,Philos.-histor. Klasse 1920, S. 47f., § 70.
2 Rheinisches Wörterbuch V, 1104. •
3 Schwäbisches Wörterbuch I, 6.
4 Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch I, 577. Es heißt auch himmel-haken: Handelmann, Volks-und Kinderspiele aus Schleswig-Holstein, S. 97f.landgatschen: Schumann, Lübecker Spiel- und Rätselbuch, S. 88 Nr. 176.