Druckschrift 
Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42 Eberhard Freiherr von Künssberg:

slaar man annen pusth eller kieepshugh so ath ey komma bloth-withae innen, tha stinges han gömen hand om han worther grebenwit ferske gerning. (Eine Lesart ergänzt: oc rystes swo fram tilfyngeren.)

Das Hofrecht Fredrick IL, von 1562, wiederholt die Bestim-mung von der Ohrfeige, stellt aber anderseits die Verbindung zuden andern Quellen her, in dem auch für das Messerziehen die Handdurchstochen wird. Dazu kommt die zeitgemäße Analogie: es wirdauch das Spannen der Armbrust und das Anlegen mit einem Feuer-gewehr miteinbezogen 1 .

Slaar mand anden pust, kiepshug eller anderledis, saa at eikommer blöd ud, da skal han stinges egennom sin hand oc ristizud emellom fingerne, uden det sker af nodverge eller vaade . . .Hvo som drager sverd eller knif eller Spender sin armborst ellerlegger hanen paa sin bosse emod anden met vred huf, han skalstinges egienom sin hand blifver greben met ferske gerninger,endog at hand ingen skade gierde der met.Der Dänische Artikelbrief für die Miliz zu Lande von 1683 setztdiese Entwicklungslinie nicht fort, sondern ist den Seekriegsartikelnverwandt 2 :

Wer mit einem Messer, als einem diebischen und mörderlichenGewehr, nach .jemanden hauet oder stoßet, demjenigen soll dasMesser durch die Hand geschlagen und zwischen den Fingernwieder herausgerissen werden.Es fällt auf, daß im Gegensatz zu dem Seemannsrecht die Handnicht vom Bestraften selbst losgerissen wird, sondern daß dasDurchreißen noch zur Exekution gehört. Das Messer gilt als un-ehrliche Waffe; vgl. die Stelle aus den Extravaganten des Sachsen-spiegels 3 :

komen czwene uff eynen wege czu samene, so daz eyner denanderen wunt, eyner met eyme swerte, der andere met eyme messer,der das messer hat, der sal ieme bessern der daz swert hat, wendaz messer ez duplich were.

1 Corpus Constitutionum Daniae I, 187.

2 Lünig, Corpus juris militaris, 1723, S. 1299; vgl. unten $ 10.

3 1390 Extravaganten des Sachsenspiegels S. 244. Rechtswörterbuch II823. Ein Dresdner Schöffenspruch (in: Wasserschleben, Sammlung deut-scher Rechtsquellen I, 1860, S. 233) belehrt uns, daß jemand, der sein Messerzückte und eine Frau schlug, dann noch glaubte, das Messer alseine unschul-dige gewere" hinstellen zu können.