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Rechtsbrauch und Kinderspiel : Untersuchungen zur deutschen Rechtsgeschichte und Volkskunde
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Rechtsbrauch und Kinderspiel. 21

gesetzliche Grenzstreiche" wie es im Brandenburgischen hieß 1 .Nenn Knaben 2 der leidende Gegenstand dieser Rechtssitte sind,so ist sie nur Seitenstück zur Grenzohrfeige; wenn aber Erwach-sene sich solche üble Behandlung gefallen lassen mußten, sospielen wohl auch andere Gedanken mit. In Siebenbürgen wirdbeim Grenzumgang dem Jüngsten aus der Bruderschaft auf demHatterthaufen die Grenze eingebläut 3 . Darin steckt vielleicht außerdem Denkzettel auch ein Scherz, ein Hänselbrauch, wie er mitNeulingen 4 bei den verschiedensten Gelegenheiten getrieben zuwerden pflegt. DieTrautenauer Chronik berichtet 5 : H. F. primasin Trautnaw, hat disen grenitzstain selbst bekreftiget mit dem grenitz-recht, wie vor alters und nach breuchlich ist, das er mit eigner handhat diese drei personen von Trautnaw auf dem ersten grenitzstein mitrutten gestrichen zum grenitzgedechtnis der zeit. Hier scheint essich außerdem um die Ausübung eines Hoheitsrechts zu handeln,wie auch bei den sechs Peitschenschlägen an die neuen Bürger inKöpenik 6 . Alle zwei Jahre findet der Grenzbegang statt. Beimletzten Hügel erhalten diejenigen, die innerhalb der letzten zweiJahre Bürger geworden sind, von dem Schulzen des Kietzes sechsSchläge mit der Peitsche. Den ersten für den König, den zweitenfür den Magistrat, den dritten für die Stadtverordneten, den viertenfür die Bürgerschaft, den fünften für die Nachbarschaft, den sechstentut der Schulze für sich selbst.

d) Gesang finden wir mitunter als ein weiteres Mittel, um §28.die Aufmerksamkeit der Zeugen auf einen Rechtsvorgang hinzu-lenken, ihr Gedächtnis zu schärfen und den ganzen Akt feierlicherzu gestalten. Weltliche und geistliche 7 Lieder sind dabei im Brauch.

1 In Eberswalde z. B. sollen auch Frauen nicht verschont worden sein.Kück-Sohnrey, Feste und Spiele 2 , 110.

2 Grimm, Grenzaltertümer (KISchr. 2, 64). In einer englischen Kirchen-rechnung von 1679 findet sich ein Posten von 4 Schillingen an Knaben, diegeschlagen worden waren um sich bestimmte Grenzen besser zu merken.Reichhardt, Deutsche Feste, 1908, S. 146.

3 Fronius, Siebenbürgisches Bauernleben 2 , 226.

4 Vgl. etwa Harttung, Die Spiele der Deutschen in Bergen. HansischeGeschichtsbl. 7 (1879), 89i'f. Koppmann ebda. 140ff. Schweizld. 2, 1474fu. a. m.

5 Jelinek, MhdWB. 332. Grimm, DWB. IV, 1, 6, Sp. 176.

6 Kuhn, Märkische Sagen, 371. Darnach Grimm, Grenzaltertümer 64,Miei.ke, Brandenb. VK. 131; vgl. ebd. 108.

7 Vom Wiesengang in Worms (vgl. oben S. 10) ist uns die ausführlicheFestordnung mit Angabe der einzelnen Lieder erhalten. Es wurden sogar eigeneWieson-Büchelcher" mit den Liedertexten gedruckt.