12 E. Frh. v. Künssberg:
die Erwachsenen vor Schabernak nicht sicher 1 , wie viel wenigernatürlich die Jugend.
10. Manches was als ein heiterer Scherz aussah, mag der unver-
standene Rest einer älteren ernsten Handlung gewesen sein. Soerklärt sich wohl folgender Brauch, den W'igand und nach ihmGrimm aus dem Paderbornischen erzählt. Unweit einer Mühlestand ein Grenzstein. Wenn der Grenzzug sich nahte, so mußteder Müller herzueilen und mit einem aus dem Zug auf dem SteinKarten spielen; hiebei hatte er jedesmal anzugeben, welche Kartedas Jahr zuvor Trumpf gewesen war, und eine Strafe zu erlegen,wenn er sich irrte 2 . Das Kartenspiel ist wohl an die Stelle einesalten Loses getreten. Es war eine keineswegs selten geübte Ge-wohnheit, Grenzstreite durch das Los, Spiel oder Ordalien zu ent-scheiden 3 . Dies ist ja naheliegend und wird auch durch Volkssagenbestätigt 4 .
Heute sind von den Rechtsbräuchen der Grenzbegehimg wohlnur wenige erhalten; überall aber lebt in der Kinderseele eineheilige Scheu vor der Grenze. Die Linie, die das Heimische, Ver-traute, das Eigene scheidet vom Unbekannten, Fremden, Andernwird mit gewisser abergläubischer Spannung betreten, mit Aben-teuerlust überschritten. Wer erinnert sich nicht des Tages, an demer als Kind das erstemal eine Landesgrenze oder gar Reichsgrenzebewußt passierte! Und wer beobachten will, wie geläufig Kindernder Grenzbegriff, der Begriff des eigenen Wirkungs- und Rechts-bereichs ist, der braucht sie nur bei ihren Spielen zu belauschenund er wird sehen, daß sie unter sich dabei sehr strenge sind.
1.1. 3. Die Strafen wurden in früheren Zeiten fast immer öffent-
lich vollzogen. Da ist es selbstverständlich, daß die Kinder inScharen mitliefen, sich hinstellten und das schaurige Schauspiel
werkern, Studenten und sonst üblich ist, damit in Zusammenhang zu bringen ?Becker, Pfälzer Frühlingsfeiern, HessBIVk. 6 (1907), 166 f.; Usener, Vor-träge 155.
1 Vgl. § 27.
ä RA. 4 II, 75.
3 Grimm, Von der Poesie im Recht (KISchr. 6, 183L).
1 Nach einer Salzburger Sage haben an einer 3 Herren-Grenze die Herrenum ein kleines Stück Grund Karten gespielt. Vgl. auch den Eintrag in einerGrenzbeschreibung von 1611 (bei Strnadt, Grenzbeschreibungen, S. 759).„Da hat es ein kheglstatt, so zwischen disen drei Land Gränizen ligt, auch stritig,da soll ein Pauer dem Teufel ein Paar Stijl mit Kegischeiben haben angewonnen,ut fabulantes Agricolae hujus loci".