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Amor und Psyche. Die Motive der Umgestaltung lagenin dem Hohenliede bereit. Schon in der OffenbarungJohannis wird die Hochzeit des Lammes mit seinemWeibe erwähnt, unter dem Weibe aber ist das neueJerusalem (Apoc. 21, 2. 9) gemeint. In dem 16. Capiteldes Propheten Ezechiel, in dem 54. des Jesaias fandman gleiche bildliche Vorstellungen. Das Hohelied aberkonte man als heiliges Buch nur durch die allegorischeAuslegung verstehn, und so ward es von Hieronymusbereits auf die Brautschaft der Sele mit der Kircheausgedeutet. Die Tochter Syon war das personificirteSyon oder Jerusalem, die Gemeinde der Gläubigen, imGegensatz zu der Tochter Babylon, der Vertreterin derUngläubigen. jSTeben die Kirche trat später als Brautauch die einzelne kristliche Sele. S. Bernhard in seinerersten Predigt über das Hohelied sagt: itaque Salomondivinitus inspiratus Christi et ecclesiae laudes et sacriamoris gratiam et seterni connubii cecinit sacramenta,simulque expressit sanctse desiderium animae et epitha-lamii Carmen exultans in spiritu jucundo eomposuitelogio, figurato tarnen. Diese Brautschaft der Sele mitGott tritt dann bei Bernhard als voll entwickelte Alle-gorie für die Erhebung der Sele aus der Sinnlichkeit zudem ewig göttlichen auf, wie seine übrigen Reden überdas Hohelied und die Abhandlung de diligendo deo zeigenkönnen. Auch Hugo von S. Victor behandelte das Ver-hältnis der Sele zu Gott durchaus als ein bräutliches;ich verweise auf den Tractat de amore sponsi ad sponsam,auf das soliloquium de arrha animae, auf Miscell. VI. 81(ed. Migne). Es kann daher nicht überraschen, wenn unsin den geistlichen deutschen Dichtungen des 11. 12. Jh.bereits die Einflüsse dieser poetischen Gestaltung einestiefreligiösen Gedankens begegnen (vgl. Diemer zu