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Die maze und die andern Tugenden begrüssendie Caritas als ihre Herrin. Diese gebietet über alles,sie zwang den Ehrenkönig auf die Erde, zu Krippeund Kreuz, zur Hölle und wieder in den Himmel. DieMinne wirkte auch, dass er uns das Sacrament seinesLeibes hinterliess. Dazu hat die Minne Gott gebracht,Gott selbst ist ihr unterthan. Das ist keine gottes-lästerliche Äusserung, denn die Minne ist Gott, Gottist die Minne von Ewigkeit, dort und hier (3041 — 3200).
Darum ward die Minne von den Tugenden herrlichempfangen und mit Brautgesängen in die Kemenate zurTochter Syon geleitet. Diese springt ihr entgegen undhält ein heimlich Gespräch mit ihr, während die Tugendenalle schweigen. Die Weisheit rät dann, jemanden zuentsenden, der die hovemcere bei dem himlischenKönig erkunde. Misericordia bewegt die Caritas, selbstder Bote zu sein. Diese aber verlangt Oratio als Ge-fährten, welche dazu ein Gefäss mit Wasser fordert(3200—3349).
Der Dichter spricht über Minne und Barmherzigkeitals Führer zum Himmel und über das Wassergefäss,d. i. die Thränen, welche dreier Art seien: von Leid,von Sehnsucht, von Ereude. Mancher, so auch er,könne nicht weinen. Er vergleicht das Thränen weckendem Brunnen graben; es gebe harte und linde Erde,leicht und schwer weinende. Die rechten Thränenwecke der h. Geist. Aus solchem Queckbrunnen werdeOratio ihren Krug gefüllt haben (3350—3476).
Frau Caritas mit dem Bogen und Oratio mit demWasserkruge eilen nun in den Himmel. Sie sehendurch die offene Pforte den Ehrenkönig in seiner Herr-lichkeit, von den jubilirenden Engeln umgeben. DenAnblick erträgt Oratio nicht und fällt in Ohnmacht.