Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198 Beilagen.

schlössen und wortkarg, war auch er nicht mittheilsam, was seine geheimenGedanken betraf. Deswegen verstanden ihn gewöhnliche Menschen oft nicht,und der Herzog von Savoyen hörte nicht immer auf seine Rathschläge, aberniemals hegte der Prinz Eugen deshalb Unwillen gegen ihn.

Seit der Belagerung von Coni ist noch ein Zug bemerkbar, der in derFolge immer öfter zu Tage tritt, nämlich die von ihm angewandte Kriegslist,seine Gegner durch Verbreitung falscher Gerüchte oder durch andere Mittel inZweifel zu setzen oder irre zu leiten behufs eines plötzlichen Ueberfalles oderbehufs Ausführung von irgend etwas für den Feind Unerwartetem (wie z. B.in seinen ersten Feldzügen in Italien bis zum Jahre 1695 bei den Unterneh-mungen gegen Mantua und Cremona im Jahre 1701, besonders bei Luzzara,Alt- und Neu-Breisach und in vielen anderen Fällen späterhin). Daher findetman denn auch in seinen Feldzügen oft Demonstrationen und Diversionen , dieklug combinirt und nie eilig und unzeitig waren.

Gänzlich dem entgegengesetzt erscheint der von ihm angewendete ent-scheidende Kampf, wovon besonders die Schlachten bei Zenta, Peterwardeinund Belgrad Zeugniss geben. Prinz Eugen verlor nicht selten Schlachten, er-litt aber nie in Folge dessen die Vernichtung seines Heeres oder etwas Aehn-liches, wie z. B. Turenne bei Mergentheim..

Der charakteristische Zug des Prinzen Eugen vor der Schlacht bei Zenta,als er die Depesche des Kaisers nicht erbrach, verdient besondere Beachtung.Hätten dies wohl Viele an seiner Stelle gethan? Ein ähnlicher Zug ist es auch,dass Prinz Eugen, vor Beginn des Feldzuges im Jahre 1705, dem Kaisergegenüber kühn erklärte, wie sehr der Hofkriegsrath die Interessen der Armeegering schätze, sowie dass seine Minister ihm, dem Kaiser, falsche Berichte er-statteten und seine (des PrinzenEugen) Originalberichte vor ihm verheimlichten.Dieser und jener Zug beweisen klar und deutlich, dass ein Mann, der so han-delte , sich selbst für sehr unabhängig halten und seine Stellung nur für solange zu bekleiden für werth erachten musste, als er seinem Kaiser und seinemVaterlande Nutzen bringen und seine eigene Ehre untadelhaft bewahren konnte.Das Wohl des Reiches, dessen Dienste sich Prinz Eugen gewidmet, stand ihmhöher als alles Andere und auch als jegliche persönliche Vortheile. Er wäreeher ins Privatleben zurückgetreten, als dass er zugelassen hätte, dass in staat-licher Hinsicht schädliche Massregeln getroffen worden wären. Dies wollteviel sagen, aber der Prinz Eugen stand dazu hoch genug und hielt sich nichtnur berechtigt, sondern auch verpflichtet, kühn die Wahrheit zu sagen. Be-merkenswerth ist, dass er dafür leiden musste. Als er nach der Schlacht beiZenta zur Verantwortung gezogen wurde, aber darauf vom Kaiser die Ver-sicherung erhielt, dass er in Zukunft nicht mehr einer solchen unterzogen wer-den sollte, schien es, dass er niemals mehr sich in ähnlicher Lage befindenwürde. Es fanden sich dessen ungeachtet Menschen, die sich klüger als erdünkten, auf alle mögliche Weise ihm entgegen wirkten, im Jahre 1701 im