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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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78 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

nanzen Oesterreichs Hessen dies nicht zu. Unterdessen aber schlossFrankreich zum zweiten Male (im J. 1700) einen Vertrag mit den See-mächten, kraft dessen der Dauphin ausser dem Königreiche beider Sici-lien noch Lothringen, und der Erzherzog Karl demnach die ganze übrigespanische Monarchie erhalten sollte. In der Hoffnung, die Monarchieungetheilt zu bekommen, wies der Kaiser diese Bedingungen zurück.Aber seine Hoffnungen erfüllten sich nicht: der sterbende Karl IL, durchdie Handlungsweise der Seemächte noch mehr beleidigt, erklärte, beein-llusst von Frankreich und dem Papste, zum Erben aller Besitzungen derspanischen Monarchie den zweiten Sohn des Dauphin, Philipp, Herzogvon Anjou, unter der Bedingung, dass er seinen Rechten auf den ThronFrankreichs entsage. Bald darauf starb Karl IL (1700). Der KaiserLeopold I. protestirte feierlich gegen die Besteigung des spanischenThrones durch den Herzog von Anjou und machte die Beeilte seines Soh-nes, des Erzherzogs Karl, auf denselben geltend. England, Holland, derKurfürst von Brandenburg, Friedrich III. (vom Jahre 1701 an König inPreussen), ein grosser Theil Deutschlands, Portugal und schliesslich (imJahre 1703) der Herzog von Savoyen, die alle eine Störung des politi-schen Gleichgewichtes in Europa im Falle einer Vereinigung der mäch-tigen französischen und spanischen Monarchien unter dem Scepter desHauses Bourbon befürchteten, schlössen sich dem Kaiser an und erklärtensich gegen Frankreich. Ludwig XIV., die Nothwendigkeit einsehend,die Rechte seines Enkels aufrecht zu erhalten, zog auf seine Seite inItalien die Herzöge von Savoyen und Parma, und in Deutschland dieKurfürsten von Baiern und Köln und den Herzog von Wolfenbüttel, er-kannte von Neuem Jakob IL (den Bedingungen des Ryswijker Friedenszuwider) als Prinzen von Wales an, wiegelte die Ungarn gegen den Kaiserauf und entschloss sich zu gleicher Zeit die Erbfolge des spanischen undenglischen Thrones zu vertheidigen.

Wie es schien, konnte der Bund zwischen Oesterreich, das die volle,ungetheilte Erbfolge des spanischen Thrones anstrebte, und den See-mächten , die eine Theilung der spanischen Monarchie forderten, nichtlange anhalten. Aber ungeachtet des Gegensatzes ihrer Zwecke bestandder Bund zwischen ihnen lange Zeit, und in den Handlungen der Verbünde-ten war sogar Einigkeit und Eintracht. Diese seltene Erscheinung in derpolitischen Welt ist einzig den Anstrengungen dreier berühmter Männerdieser Zeit zuzuschreiben: dem Prinzen Eugen von Savoyen, dem Her-zoge von Marlborough undHeinsius. Der erste war österreichischer Feld-marschall und 'seit 1705) Präsident des Hofkriegsraths, der zweite einerder besten Feldherren und Diplomaten Englands und Haupt der Parteider Whigs, und der letzte war Grosspensionär von Holland. Seltene