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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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46 H. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

und ohne es zu bedrücken, verdoppelte er die Staatseinkünfte und brachtedie Finanzen Frankreichs in einen blühenden Zustand, während Louvoiszur selben Zeit das Heer umgestaltete oder, richtiger gesagt, ein gänzlichneues schuf, indem er die Streitkräfte Frankreichs bis auf 450,000 Mannbrachte.

Das politische Uebergewicht Frankreichs war um so bedeutender,als die übrigen europäischen Staaten theils durch innere Kriege entkräftetund erschöpft waren, theils durch Unruhen erschüttert wurden, theilsauch sich nur mit der Gründung und Sicherung ihres eigenen Wohlstan-des beschäftigten. Spanien, seit den Zeiten Philipp's II. entkräftet underschöpft, war es durch den letzten Krieg noch mehr und konnte deshalbkeinen Antheil an den europäischen Angelegenheiten nehmen. England,das mit der Rückkehr der Stuarts die durch Cromwell 16491653 ge-gründete politische Bedeutung, sowie das dadurch erlangte Ueberge-wicht eingcbüsst hatte, wurde durch unaufhörliche innere Unruhen er-schüttert. Die holländischen Generalstaaten, unter dem Einflüsse deWitt's und seiner Anhänger, beschäftigten sich einzig mit der Erweite-rung ihres Handels, der Vergrösserung ihrer Flotte und des National-reichthums, hatten sogar ihre Landtruppen entlassen, wodurch sie , imFalle eines Krieges auf dem Festlande, fast ganz vertheidigungslos blieben.Deutschland endlich war durch den dreissigj ährigen Krieg bis aufs Aeus-serste erschöpft; besonders befand sich Oesterreich in einem Zustandeum so grösserer Erschöpfung und Schwäche, da der Aufstand der Ungarnund der Krieg mit der Türkei dasselbe in Anspruch nahmen.

§. 22.Der erste niederländische Krieg (16671668).

Dieser Zustand Frankreichs wie der übrigen Staaten des westlichenEuropas reizte Ludwig XIV. , bei dem ihm angeborenen Ehrgeiz undseiner Leidenschaft für den Krieg, zu Eroberungen. Unter Berufungauf das in Flandern übliche bürgerliche Recht {jus devolutionis), machteer sechs Jahre nach dem Antritte seiner Regierung (1667) die Ansprücheseiner Gemahlin, der Tochter Philipp's IV., Königs von Spanien, geltendund beschloss jenes Land zu erobern. Unter seiner persönlichen Leitungund von Turenne, dAumontundCrequi geführt, rückten die französischenHeere (1667) in Flandern ein und eroberten es im Laufe zweier Monate,fast ohne den geringsten Widerstand zu finden. Dieser Feldzug glichmehr einem Triumphzug im eigenen Lande; dem Heere folgte der könig-liche Hof in seiner ganzen Pracht. Vauban erhielt den Auftrag, alle iuFlandern eroberten Festungen in Vertheidigungsstand zu setzen. ImAnfang des nächsten Jahres (1668) rückten die französischen Heere unterConde, nachdem sie die Champagne und Burgund durchzogen, in die